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Andacht vom 02. Februar 2009.

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Rache ist süß... oder?



Als Kinder sagten wir: "Rache ist Blutwurst!" Heute formulieren wir das ein bisschen ausführlicher und pointierter: "Rache ist süß und macht nicht dick!" Darüber lächeln wir dann, weil es nicht ganz ernst gemeint ist.

Aber sind wir wirklich so, dass wir uns nicht rächen wollen? Sind wir oft nicht beleidigt und wünschen dem Anderen "die Pest an den Hals"? Es ändert im Grundsatz nichts, wenn wir uns mit einem anderen, kleinerem Missgeschick, das unseren vermeintlichen Feind erreicht, zufrieden geben. Wir empfinden selbst bei den Leuten Schadenfreude, die uns nichts getan haben, nur, weil sie uns ohne jeglichen Grund einfach nur unsympathisch sind.

Erst recht werden wir rachsüchtig, wenn uns jemand gelinkt hat, wenn wir uns hintergangen oder betrogen fühlen, wenn etwas nicht so war, wie wir uns es vorgestellt haben.

Im Grunde spiegeln es gerade Western oder Abenteuerfilme wider, wie wir empfinden; der berühmte französische Roman "Der Graf von Monte Christo" beschreibt eigentlich unsere eigenen Rachegelüste. Wenn der Sheriff den Bankräuber erschießt, wenn ein Westernheld seinen Freund oder einen Verwandten rächt, dann applaudieren wir. Wenn die drei Musketiere oder Robin Hood den Bösen ihr Böses mit Bösem vergelten, dann geht es bei uns runter wie Öl.

Ich gebe es ja zu: Ich erwische mich alledem selbst, ich freue mich - zumindest klammheimlich - wenn ich es meinem Widersacher so richtig gegeben habe, selbst dann, wenn ich weiß, dass ich im Unrecht bin.

In südlichen Ländern war die Blutrache lange verbreitet; in Gebieten des ehemaligen Jugoslawiens ist es meines Wissens heute noch so. Ganze Generationen - teilweise über Jahrhunderte hinweg - übten Rache. Manche Familien wurden ausgerottet, ganze Dörfer waren zerrissen. Ehrenmorde unter Türken machen Schlagzeilen: Es ist schlimm, auch wenn dies eine Minderheit betrifft.

Rache ist eben nicht süß, sie macht arm, sie lässt uns menschlich verrohen. Rache verhindert Frieden, Menschlichkeit. Sie macht seelisch krank, sie verursacht Verfolgungswahn, Ängste, Trauer, Wut, Depressionen. Kurz: Sie macht keinen Sinn. Deshalb warnt Gott uns auch davor, Rache zu nehmen, weil wir oft dadurch den Boden unter den Füssen verlieren.


Bibellesetipps:

"Du sollst dich nicht rächen und den Kindern deines Volkes nichts nachtragen und deinen Nächsten lieben wie dich selbst."
(3 Mose 19:18)

"Mein ist die Rache und die Vergeltung für die Zeit, da der Fuß wankt. Denn nahe ist der Tag des Verderbens, und was ihnen bevorsteht, eilt herbei."
(5. Mose 32:35)

"Vergeltet niemand Böses mit Bösem; seid bedacht auf das, was ehrbar ist vor allen Menschen! Rächt euch nicht selbst, sondern lasst Raum dem Zorn! Denn es steht geschrieben: 'Mein ist die Rache, ich will vergelten, spricht der Herr.' 'Wenn nun deinem Feind hungert, so speise ihn; wenn ihn dürstet, so gib ihm zu trinken! Denn wenn du das tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.' Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten."
(Römer 12:17-21)

"Sage nicht: 'Ich will Böses vergelten!' Harre auf den Herren, er wird dich erretten."
(Sprüche 20:22)

"Sage nicht: Wie er mir getan hat, so will ich ihm tun, will jedem Vergelte nach seinem Tun."
(Sprüche 24:29)

"Ja, der Herr wird seinem Volk Recht schaffen, über seine Knechte erbarmen."
(Psalm 135:14)

"Wenn dein Feind fällt, so freue dich nicht, und wenn er fällt, frohlocke dein Herz nicht, damit nicht der Herr es sieht und es böse ist in seinen Augen und er seinen Zorn von jenem abwendet."
(Sprüche 24:17-18)

"Wer des Armen spottet, lästert dessen Schöpfer; wer schadenfroh ist, bleibt nicht ungestraft."
(Sprüche 17:5)

Mit den besten Segenswünschen
Euer


Markus Kenn



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