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Werkzeuge
Gottes
Im Neuen Testament lesen wir von vielen Frauen.
Es sind Frauen, die Jesus begegnen, denen er begegnet – im direkten Kontakt,
durch die Geschichten, die man sich über ihn erzählt, oder auch Frauen, die in
Jesu eigenen Erzählungen, oft Gleichnissen, vorkommen, und die durch seine Worte
zum Werkzeug werden, mit dem er die Botschaft von Gottes Reich zu den Menschen
bringt. Jeder kennt Maria, die Mutter des Herrn, Maria Magdalena, Martha oder
auch Veronika. Doch auch andere Frauen, von denen heute kaum noch einer spricht,
haben ihre Bedeutung für uns. In Mt 27, 19 heißt es: Während Pilatus auf dem
Richterstuhl saß, ließ ihm seine Frau sagen: ‚Lass die Hände von diesem
Menschen, er ist unschuldig. Ich hatte seinetwegen heute Nacht einen schlimmen
Traum.‘
Wer sie wohl war, diese Frau des Pilatus? Eine Römerin, die mit
der Truppe ihres Mannes als Besatzungsmacht in Israel saß. Eine Fremde, deren
Volk man nicht liebte. Ob sie gerne dort war? Hat man sie je gefragt, ob sie
mitkommen wollte über das weite Mittelmeer in die abgelegene Provinz? Wohl
kaum. Sie war eine Herrin, Vorsteherin eines gewiss reichen
Haushaltes. Eine Herrin mit vielen Sklaven und Sklavinnen. Ob sie sie geliebt
haben? Oder gefürchtet? Ihr Mann hat ein hohes Amt, Macht. Und sie? Gewiss
hatte sie unter den anderen römischen Frauen Ansehen, aber der Einfluss von
Frauen insgesamt war doch sehr gering. Was hatten sie schon zu sagen? Wer hörte
ihnen zu?
Pilatus Frau träumt von Jesus. Vielleicht haben ihre
Dienerinnen ihr von ihm erzählt, so wie es oft ist, wenn sich zwischen der
Herrin und ihrer Leibsklavin ein Vertrauensverhältnis bildet. Wir träumen
von dem, was uns beschäftigt. hat Jesus diese Frau bewegt? Seine Botschaft
bringt doch ihre ganze Welt durcheinander, die Welt der Hierarchien und
Ungleichheiten. Sklaven sind für Gott frei und wertvoll, Frauen zählen
plötzlich genauso viel wie Männer. Die seltsame neue Religion erzählt von Liebe
und Wertschätzung, von Teilen und Geben. Kann das eine solche Frau unberührt
lassen? Nein, Jesu Botschaft findet Eingang in ihre geheimsten Gedanken, in ihre
Träume und Tagträume. Die Römerin spürt bis in ihre tiefste Seele, das, was
der Galiläer tut, ist richtig. An ihm und seiner Botschaft ist kein Falsch,
verkehrt sind die Gebräuche und Gesetze der Menschen ihrer eigenen
Umgebung. Die Frau des Pilatus ist mutig. Sie weiß, es ist an ihr zu handeln,
mischt sich ein und sagt ihrem Mann, dem Vertreter des Systems, offen, wo er
irrt. Sie riskiert damit Ehekrach und gesellschaftliche Ächtung, aber das ist
ihr egal – sie muss handeln und sie wagt es.
Dieses ist vielleicht die
Botschaft, die diese von Matthäus so knapp erwähnte Frau für uns hat: Jesus
lässt uns tief innen Wahrheiten erkennen und es ist an uns, sie gegen alle
Widerstände mutig in die Welt zu tragen und so an Gottes Reich mit zu
bauen.Maria Sassin
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