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Andacht vom 5.Juni 2007.

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Im Neuen Testament lesen wir von vielen Frauen.
Es sind Frauen, die Jesus begegnen, denen er begegnet – im direkten Kontakt, durch die Geschichten, die man sich über ihn erzählt, oder auch Frauen, die in Jesu eigenen Erzählungen, oft Gleichnissen, vorkommen, und die durch seine Worte zum Werkzeug werden, mit dem er die Botschaft von Gottes Reich zu den Menschen bringt.
Jeder kennt Maria, die Mutter des Herrn, Maria Magdalena, Martha oder auch Veronika. Doch auch andere Frauen, von denen heute kaum noch einer spricht, haben ihre Bedeutung für uns.
In Mt 27, 19 heißt es: Während Pilatus auf dem Richterstuhl saß, ließ ihm seine Frau sagen: ‚Lass die Hände von diesem Menschen, er ist unschuldig. Ich hatte seinetwegen heute Nacht einen schlimmen Traum.‘

Wer sie wohl war, diese Frau des Pilatus? Eine Römerin, die mit der Truppe ihres Mannes als Besatzungsmacht in Israel saß. Eine Fremde, deren Volk man nicht liebte. Ob sie gerne dort war? Hat man sie je gefragt, ob sie mitkommen wollte über das weite Mittelmeer in die abgelegene Provinz? Wohl kaum.
Sie war eine Herrin, Vorsteherin eines gewiss reichen Haushaltes.
Eine Herrin mit vielen Sklaven und Sklavinnen. Ob sie sie geliebt haben? Oder gefürchtet?
Ihr Mann hat ein hohes Amt, Macht. Und sie? Gewiss hatte sie unter den anderen römischen Frauen Ansehen, aber der Einfluss von Frauen insgesamt war doch sehr gering. Was hatten sie schon zu sagen? Wer hörte ihnen zu?

Pilatus Frau träumt von Jesus.
Vielleicht haben ihre Dienerinnen ihr von ihm erzählt, so wie es oft ist, wenn sich zwischen der Herrin und ihrer Leibsklavin ein Vertrauensverhältnis bildet.
Wir träumen von dem, was uns beschäftigt.
hat Jesus diese Frau bewegt? Seine Botschaft bringt doch ihre ganze Welt durcheinander, die Welt der Hierarchien und Ungleichheiten.
Sklaven sind für Gott frei und wertvoll, Frauen zählen plötzlich genauso viel wie Männer. Die seltsame neue Religion erzählt von Liebe und Wertschätzung, von Teilen und Geben.
Kann das eine solche Frau unberührt lassen? Nein, Jesu Botschaft findet Eingang in ihre geheimsten Gedanken, in ihre Träume und Tagträume.
Die Römerin spürt bis in ihre tiefste Seele, das, was der Galiläer tut, ist richtig. An ihm und seiner Botschaft ist kein Falsch, verkehrt sind die Gebräuche und Gesetze der Menschen ihrer eigenen Umgebung.
Die Frau des Pilatus ist mutig. Sie weiß, es ist an ihr zu handeln, mischt sich ein und sagt ihrem Mann, dem Vertreter des Systems, offen, wo er irrt. Sie riskiert damit Ehekrach und gesellschaftliche Ächtung, aber das ist ihr egal – sie muss handeln und sie wagt es.

Dieses ist vielleicht die Botschaft, die diese von Matthäus so knapp erwähnte Frau für uns hat: Jesus lässt uns tief innen Wahrheiten erkennen und es ist an uns, sie gegen alle Widerstände mutig in die Welt zu tragen und so an Gottes Reich mit zu bauen.


Maria Sassin



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