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Andacht vom 05. Juni 2010

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Gottes ist Liebe!

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich. Wir wollen uns heute mit dem Thema der Liebe
beschäftigen. Vordergründig scheint es sich um ein durchaus leichtes Thema zu handeln. Lesen wir aber unseren heutigen Predigttext, dann erkennen wir
sehr schnell, dass hinter dem Wort Liebe weitaus mehr steckt als wir annehmen. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1.
Johannesbrief, Kapitel 4, die Verse 16-21. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in ihm.
Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist
nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht
vollkommen in der Liebe. Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein
Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, wie kann er Gott lieben, den er nicht sieht ? Und dies haben wir von ihm, dass, wer Gott
liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.

Liebe Gemeinde,

in unserem heutigen Predigttext geht es also um die Liebe. Genauer gesagt, geht es um die Gottesliebe und die Bruderliebe und darum, woran wir
erkennen können, ob wir noch in der Liebe handeln und sind, oder ob wir dies nicht sind. Lassen Sie uns also am heutigen Tage versuchen,
diese Fragen zu beantworten.

1. Was ist Gottesliebe

Was ist überhaupt Liebe ? Auf der Suche nach einer näheren Bestimmung dieses Wortes stieß ich auf folgende Definition: "Liebe ist die stärkste Form
der Zuneigung, die ein Mensch einem anderen Menschen gegenüber empfinden kann". Voraussetzung dafür ist natürlich, dass man den anderen
Menschen gut kennt, ihn also kennen gelernt und schätzen gelernt hat.

Durchaus ähnlich und doch wieder anders verhält es sich mit der Gottesliebe. Zunächst einmal lernt der Mensch Gott kennen, dann folgt sein absolutes
Ja zu IHM und daraus erwächst die Liebe zu Gott. Stimmt das eigentlich ? Denken wir doch einmal an Johannes 3, Vers 16: "Also hat Gott die Welt
geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben."

Es ist so, dass Gottes Liebe zu uns immerzu währt und Er nur darauf wartet, dass wir Ja zu Ihm sagen. Salopp gesprochen könnte man sagen, Gott ist
solange unglücklich verliebt in einen jeden einzelnen von uns, bis wir das entscheidende Ja zu Ihm sagen. Bevor wir unser Ja sagen, hat Gott uns
schon lange zuvor im Visier seiner Liebe gehabt. Jetzt könnten Sie mir durchaus erwidern: Das scheint mir aber ein schwacher Gott zu sein, der
immerzu hinter mir her rennt. Allerdings dürfen wir den zweiten Teil des soeben genannten Bibelverses nicht vergessen. In der Tat geht Gott einem
Menschen ein Leben lang hinterher. Versäumt der Mensch aber dieses Ja zu sagen, so wird er mit seinem irdischen Ableben auf ewig verloren sein.

Halten wir also zunächst einmal fest, dass Gottes Liebe zu uns etwas wunderbares ist, eine Liebe, die niemals endet und die wir immer wieder in
Anspruch nehmen dürfen. Und daraus resultiert, es ist auch eine unserer zentralen Aufgaben als Christen. Wir sollen ganz nah an Gott dranbleiben.
Dann dürfen wir Seine Liebe spüren. Und dann dürfen wir unsere leeren Akkus immer wieder mit Seiner Liebe aufladen.

2. Woran erkennt man, dass man in der Liebe ist ?

Unser Predigttext zeigt uns zwei Eigenschaften auf, die uns darauf hinweisen, dass wir nicht mehr in der Liebe Gottes verweilen. Die eine Eigenschaft
wird als Furcht bezeichnet. Im griechischen Urtext finden wir hier das Wort "phobos". Eine Phobie ist eine unbegründete Angst vor irgend etwas. Mit
Furcht ist also nicht die begründete Angst gemeint. Nehmen wir ein ganz banales Beispiel: Natürlich schnallen wir uns beim Autofahren alle an, um im
Falle eines Verkehrsunfalls das Verletzungsrisiko möglichst gering zu halten. Keiner von uns würde sagen: Ich schnalle mich nicht an. Sollte ich
Opfer eines Verkehrsunfalls werden, dann wird Gott mir schon helfen.

Gerade die unbegründete Angst ist ein Indiz dafür, dass wir nicht mehr in der Liebe Gottes weilen. Obschon sich manche Menschen bestens auf Prüfungen
vorbereitet haben, leiden diese unter Prüfungsangst, bzw, sind felsenfest davon überzeugt in anstehenden Prüfungen zu versagen. Diese
unbegründeten Ängste können überwunden werden, wenn wir uns wieder voll und ganz in die Liebe Gottes hineinbegeben. Ich habe dieses Beispiel gewählt,
weil ich es einige Male erleben konnte, dass Examenskandidaten durch diese Rückkehr und Rückbesinnung zu Gott und Seiner Liebe alle diese Ängste
genommen worden sind. Von anderen Brüdern und Schwestern habe ich erfahren, dass dies auch für zahlreiche andere Phobien gilt.
In derartigen Situationen ist es durchaus hilfreich, dass wir uns daran erinnern, dass wir keine der für uns furchtsamen Situationen allein
durchstehen müssen, sondern dass unser Herr immer direkt neben uns steht und uns mit Seiner Liebe und Seinem Vertrauen stärkt.

Ein zweites Indiz dafür, dass wir uns außerhalb der Gottesliebe bewegen, ist der Hass. Direkt aus dem Urtext übersetzt bedeutet Hass: Nicht lieben
wollen oder verabscheuen. Wenn wir uns ganz und gar in der Liebe Gottes befinden, dann können wir gar nicht anders, als den anderen zu
lieben. Wir schaffen es einfach nicht, unseren Mitmenschen zu verabscheuen, weil wir voll und ganz mit Gottes Liebe durchtränkt sind. Also immer
dann, wenn sich dieses Gefühl in uns breit macht ist es allerhöchste Zeit, dass wir den Rückzug im Gebet zu unserem Herrn antreten.

3. Die Bruderliebe

Genau so, wie Gott uns liebt, genau so sollen wir unsere Brüder und natürlich auch Schwestern lieben. Das tun wir doch alle, das jedenfalls habe ich
auch zunächst gedacht. Schauen wir uns doch einmal an, was der Apostel Paulus im 1. Korintherbrief über die Liebe schreibt. 1. Korinther 13, 4
lautet, wie folgt:

"Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht
ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht
erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit, sie erträgt ALLES, sie
glaubt ALLES, sie hofft ALLES, sie duldet ALLES."


Ich vermute einmal, dass diese Form der Liebe nicht fortwährend in unseren Herzen zu finden ist. In meinem jedenfalls finde ich sie all zu häufig
leider nicht in dieser Idealform. Was können wir also tun, um diese Liebe möglichst oft ausüben zu können. Wir können eigentlich nur eines tun, immer
wieder ganz nah in der Liebe Gottes zu leben und Ihn darum bitten, dass Er uns stärken möge, damit wir diese Form der Liebe möglichst oft unseren
Mitmenschen gegenüber zeigen können.

Wenn wir demnächst wieder einmal merken, dass die Pferde mit uns durchgehen wollen, dann lassen Sie uns doch ganz schnell zu unserem Herrn
zurückkehren und lassen Sie uns daran denken, wie sehr uns unser Herr ohne alles wenn und aber liebt. Wenn wir uns dies immer wieder bewusst machen,
so sind wir auf einem guten Wege, diese paulinische Liebe im Alltag umzusetzen. Und wenn es einmal nicht gelingt dürfen wir auch gewiss sein, dass
uns unser Herr so sehr liebt, dass Er uns auch unsere Fehler verzeiht, wenn wir sie denn aufrichtig bereuen und Ihn um Vergebung bitten.

Eine Ermunterung in dieser Liebe zu bleiben erfuhr sicherlich auch der Liederdichter Philipp Spitta durch den ersten Vers seines Liedes "Bei dir,
Jesu, will ich bleiben...", der da lautet, wie folgt:

Bei dir, Jesu, will ich bleiben, stets in deinem Dienste stehn;
nichts soll mich von dir vertreiben, will auf deinen Wegen gehn.
Du bist meines Lebens Leben, meiner Seele Trieb und Kraft,
wie der Weinstock seinen Reben zuströmt Kraft und Lebenssaft.

Der Herr gebe Dir die Kraft, damit Du stets in SEINER Liebe bleiben kannst
Der Herr nehme alle Furcht aus Deinem Leben, damit Du in SEINER Liebe
leben kannst
Der Herr gebe Dir die Kraft, SEINE Liebe stets an Deine Mitmenschen
weiter zu geben


Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber



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