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Andacht vom 6. April 2007.

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Gedanken zu Karfreitag!



Jesus weiss bereits während des letzten Abendmahles, dass der Verräter neben ihm sitzt. Dieser Verräter - Judas Iskarioth - gehört zum allerengsten Kreis der Vertrauten und hat als Kassenwart eine herausragende Stellung. Ausgerechnet dieser liefert Jesus aus, verrät ihn wegen des schnöden Mammons, wegen dreissig Silberlingen.

Jesus durchleidet im Garten Gethsemane Todesangst. Er weiss, dass Er bald sterben wird. Diesen Weg muss Er nicht gehen; noch kann Er beim Vater Legion von Engeln erbitten, die Ihn beschützen und beschirmen. Aber Jesus geht diesen Weg, Er trinkt den bitteren Todeskelch für unsere Sünden. Er schwitzt in Seiner Angst Blut und Wasser. Seine Jünger schaffen es nicht, mit Ihm zu wachen. Sie schlafen, während Er mit dem Tode kämpft. Jesus ist enttäuscht.

Aber auch Petrus, der temperamentvoll mit dem Schwert das rechte Ohr des Malchus abschlägt, versagt. Bevor der Hahn auch nur ein einziges Mal gekräht hat, verleugnet er Jesus dreimal, weil er, Petrus, Angst hat. Dabei wollte er doch mit seinem Herrn ins Gefängnis. Er wollte sogar mit Ihm in den Tod. Das ist bitter.

Jesus lässt sich festnehmen. Er wird abgeführt wie ein Verbrecher. Er wird zu den Verbrechern gezählt. Man holt Ihn heimlich, obwohl Er öffentlich gepredigt hat. Man weiss, dass man falsch handelt. Jesus erduldet das. Er geht mit wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird.

Jesus wird vorgeführt. Das Volk verlangt, dass ein Verbrecher - Barnabas - begnadigt wird. Er wird von Pontius zu Pilatus geschickt. Keiner will sich die Hände dreckig machen am Blut eines Unschuldigen. Man will kneifen. Pilatus, der eigentlich Jesus begnadigen könnte, wäscht seine Hände in Unschuld. Dabei ist auch er schuldig, weil er als König und Statthalter des Kaisers eigentlich recht sprechen und handeln müsste, doch er knickt ein vor dem Volk, lässt Jesus auspeitschen und umbringen. Das, was da geschieht, ist ein Justizmord, ein Skandal. Das weiss Pilatus, und seine Frau hat ihn gewarnt. "Leg nicht die Hand an diesen Gerechten; ich hatte seinetwegen schlechte Träume in der Nacht."

Jesus wird Seiner Kleider beraubt und damit Seiner Würde. Er wird entblösst, entehrt. Man spuckt Ihn an und verspottet Ihn. Eine Dornenkrone macht den Zynismus der Soldaten vollständig. Man schlägt Ihm mit einem Rohr auf den Kopf. Die Soldaten haben in Schlachten gekämpft, haben ihre Kameraden - darunter Freunde - sterben sehen, haben Menschen x-male gekreuzigt und getötet. Solche Leute sind nicht weich, sie sind nicht zimperlich: Wenn sie draufhauen, dann schlagen sie richtig zu. Sanftmut ist nicht gerade eine soldatische Tugend. Sie spucken Ihn an, verhöhnen ihn, schubsen Ihn, peitschen Ihn aus.

Dann der Weg nach Golgatha. Jesus trägt das Kreuz. Es ist schwer. Nicht das Gewicht des Kreuzes allein macht Ihm den Weg zu schwer. Es ist die Folter, die Er für uns - Dich und mich - erlitten hat. Und es sind unsere Sünden, die Sein Kreuz so schwer machen.

Bei diesem Gedanken durchzuckt es mich: Meine Lügen, die grossen, die kleinen, machen Sein Kreuz schwer. Es ist der Apfel, den ich als Kind stahl, die bösen Worte, die ich sagte ... Und es gibt so vieles, darunter Schlimmes. Dort, wo ich eine Sünde nicht beging, da war es nicht mein "guter Charakter", sondern Mangel an Gelegenheit oder Feigheit, weil ich Angst hatte, erwischt zu werden. Es ist mein böses Herz, das Sein Kreuz so schwer macht, dass Er, der mich so sehr liebt und trotz allem einen Freund und sogar einen Bruder nennt, darunter dreimal zusammenbricht.

Frauen weinen um Ihn und schlagen Ihm auf die Brust. Dennoch sagt Er: "Weinet nicht um mich!" Sie sollen um ihre Kinder weinen, Kinder, die verloren gehen, weil sie Ihn ablehnen, Ihn, der alles für sie getan hat!

Noch am Kreuz vergibt Er Seinen Mördern: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun." Die beiden Häscher verspotten Ihn auch, genau wie die Leute, die unterm Kreuz stehen, allen voran die Pharisäer und Schriftgelehrten, die es besser wissen müssten und auch besser wissen. Beide Häscher verspotten Ihn, aber der zu Seiner Rechten kommt zur Besinnung und bittet darum, dass Jesus an Ihn denkt, wenn Er in Sein Reich kommt. Dieser Häscher bittet nicht einmal um Vergebung, das wagt er nicht mehr. Er bittet nur um ein Gedenken. Aber Jesus vergibt ihm im Angesicht des Todes: "Noch heute wirst du mit mir im Paradiese sein!"

Jesus aber kümmert sich noch um Seine Mutter, die hilflos ist ohne Ernährer; Joseph ist schon tot. Eine Witwe hat in jener Zeit nur Almosen als Auskommen, wenn sie nicht zufällig ein Vermögen geerbt hat.

Jesus aber kümmert sich um Seine Mutter; Sein Lieblingsjünger wird der Versorger. Auf Ihn kann sich Jesus verlassen.

Jesus brüllt im Sterben: "Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen!" Auf Ihm ruht die Sünde der Welt, jede einzelne, auch jene, die ich begangen habe. Gott aber ist zu heilig, um auch nur die kleinste Sünde dulden und sehen zu können. Angewidert wendet Er, der Vater, sich von Seinem Sohn ab, weil Dieser die Sünde der Welt trägt. Von Gott verlassen stirbt Jesus.

Ihn dürstet. Dann befiehlt Jesus Seinen Geist, Seine Seele in die Hand des Vaters. Damit ist es vollbracht. Jesus stirbt den Tod, den wir verdient hätten. Der Schleier im Tempel zerreisst, der Weg zum Allerheiligsten ist frei. Jetzt kann ich kommen, jetzt bin ich erlöst, vorausgesetzt, ich nehme dieses Geschehen an. Dann wäscht mich Jesus in Seinem Blut.

Natürlich sind Seine Jünger entsetzt: Jesus ist tot. Alles scheint vorbei. Die drei Jahre - umsonst? Noch verstehen sie die Worte Jesu nicht, nicht, dass Er drei Tage später den Tempel aufbauen wird, in dem Er wieder aufersteht.

Seine Auferstehung wird zum Sieg über Tod und Teufel. Er hat nun die Schlüssel zur Unterwelt. Nun hat Er die Macht an sich genommen. Der Teufel hat verloren. Endgültig. Dadurch darf ich leben. Auch Du kannst dadurch leben.

Der Karfreitag ist für mich deshalb kein trauriger, aber ein besinnlicher Tag, ein Tag, an dem ich nicht resigniere, sondern darüber nachdenke, was Jesus für mich ertragen musste. Das macht mich dankbar, aber auch demütiger. Weil Er mir vergeben hat, kann ich vergeben, weil Er Seinen Mördern und dem Häscher am Kreuz vergeben hat, kann ich die wenigen Kleinigkeiten verzeihen, die mir angetan worden.

Ich habe zuhause ein Kreuz, das man aufstellen kann. Ich schaue das Kreuz an. Im Ursprung endete der Balken, der vom Boden sich in den Himmel streckt, am Querbalken. Wir haben aber den vertikalen Balken in unserer christlichen Symbolik verlängert. Daraus ergibt sich ein tieferer Sinn. Wir wissen, dass mit dem Tod nicht alles aus ist, dass es eine Auferstehung gibt.

Aber mir sagt es noch mehr. Ich bringe in dieses Kreuz den Querbalken ein. Dieser Querbalken erinnert mich an meine Kinderjahre, in denen ich als kleiner Schulbub das Subtrahieren lernte. Der Querbalken ist das Minuszeichen. Dieses Minus bringe ich ein; meine Schuld ist das grosse Manko. Ich schreibe tiefrote Zahlen. Ich habe Schuld, ich habe damit vor Gott Schulden, Schulden, die ich nicht begleichen kann. Vor Gott bin ich zahlungsunfähig, pleite, bankrott. Da hilft keine Pfändung, bei mir ist nichts zu holen. Da hilft kein Offenbarungseid. Ab in den Schuldenturm, nicht mal mit Wasser, auch nicht mit Brot. Mit mir hat Gott genug Verlust gemacht.

Jesus aber bringt die "Verlängerung" am Kreuz mit. Dadurch wird es zum Plus. Die Schulden sind beglichen, bezahlt, einfach so. Ich habe nichts dazu beigetragen. Ich kann dieses Geschenk nur annehmen und dafür danken.

Karfreitag ist deshalb für mich kein schwarzer Tag, sondern ein Wendepunkt. Davor war ich veloren, auf ewig, war ich chancenlos. Seit diesem Tag kann ich mich unter das Kreuz stellen. In Jesu Blut kann ich mich gründlich waschen. Ich, dessen Schuld - der Dreck meines Lebens - zum Himmel stinkt, kann sich reinigen. Ich werde sauber, rein. Deshalb möchte ich an diesem Tag fasten, beten, danken. Weil Jesus für mich an diesem Tag gesiegt hat.

Bitte lesen Sie folgende Bibelstellen:

Matthäus Kapitel 26 - Kapitel 28 einschliesslich

Markus Kapitel 14 - Kapitel16 einschliesslich

Lukuas 21:5 - 24:53

Johannes 18 - Johannes 21 einschlieslich.

Ich wünsche Ihnen einen besinnlichen, nachdenklichen Karfreitag, getragen von einer tiefen Liebe zum auferstandenen Herren. In Dankbarkeit für Jesu Heldentat von Golgatha grüsse ich Sie


Ihr

Markus Kenn

Recht für den Text

Markus Kenn


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