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Gedanken
zu Karfreitag!
Jesus weiss bereits während des letzten Abendmahles, dass der Verräter neben ihm
sitzt. Dieser Verräter - Judas Iskarioth - gehört zum allerengsten Kreis der
Vertrauten und hat als Kassenwart eine herausragende Stellung. Ausgerechnet
dieser liefert Jesus aus, verrät ihn wegen des schnöden Mammons, wegen dreissig
Silberlingen.
Jesus durchleidet im Garten Gethsemane Todesangst. Er
weiss, dass Er bald sterben wird. Diesen Weg muss Er nicht gehen; noch kann Er
beim Vater Legion von Engeln erbitten, die Ihn beschützen und beschirmen. Aber
Jesus geht diesen Weg, Er trinkt den bitteren Todeskelch für unsere Sünden. Er
schwitzt in Seiner Angst Blut und Wasser. Seine Jünger schaffen es nicht, mit
Ihm zu wachen. Sie schlafen, während Er mit dem Tode kämpft. Jesus ist
enttäuscht.
Aber auch Petrus, der temperamentvoll mit dem Schwert das
rechte Ohr des Malchus abschlägt, versagt. Bevor der Hahn auch nur ein einziges
Mal gekräht hat, verleugnet er Jesus dreimal, weil er, Petrus, Angst hat. Dabei
wollte er doch mit seinem Herrn ins Gefängnis. Er wollte sogar mit Ihm in den
Tod. Das ist bitter.
Jesus lässt sich festnehmen. Er wird abgeführt wie
ein Verbrecher. Er wird zu den Verbrechern gezählt. Man holt Ihn heimlich,
obwohl Er öffentlich gepredigt hat. Man weiss, dass man falsch handelt. Jesus
erduldet das. Er geht mit wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt
wird.
Jesus wird vorgeführt. Das Volk verlangt, dass ein Verbrecher -
Barnabas - begnadigt wird. Er wird von Pontius zu Pilatus geschickt. Keiner will
sich die Hände dreckig machen am Blut eines Unschuldigen. Man will kneifen.
Pilatus, der eigentlich Jesus begnadigen könnte, wäscht seine Hände in Unschuld.
Dabei ist auch er schuldig, weil er als König und Statthalter des Kaisers
eigentlich recht sprechen und handeln müsste, doch er knickt ein vor dem Volk,
lässt Jesus auspeitschen und umbringen. Das, was da geschieht, ist ein
Justizmord, ein Skandal. Das weiss Pilatus, und seine Frau hat ihn gewarnt. "Leg
nicht die Hand an diesen Gerechten; ich hatte seinetwegen schlechte Träume in
der Nacht."
Jesus wird Seiner Kleider beraubt und damit Seiner Würde. Er
wird entblösst, entehrt. Man spuckt Ihn an und verspottet Ihn. Eine Dornenkrone
macht den Zynismus der Soldaten vollständig. Man schlägt Ihm mit einem Rohr auf
den Kopf. Die Soldaten haben in Schlachten gekämpft, haben ihre Kameraden -
darunter Freunde - sterben sehen, haben Menschen x-male gekreuzigt und getötet.
Solche Leute sind nicht weich, sie sind nicht zimperlich: Wenn sie draufhauen,
dann schlagen sie richtig zu. Sanftmut ist nicht gerade eine soldatische Tugend.
Sie spucken Ihn an, verhöhnen ihn, schubsen Ihn, peitschen Ihn aus.
Dann
der Weg nach Golgatha. Jesus trägt das Kreuz. Es ist schwer. Nicht das Gewicht
des Kreuzes allein macht Ihm den Weg zu schwer. Es ist die Folter, die Er für
uns - Dich und mich - erlitten hat. Und es sind unsere Sünden, die Sein Kreuz so
schwer machen.
Bei diesem Gedanken durchzuckt es mich: Meine Lügen, die
grossen, die kleinen, machen Sein Kreuz schwer. Es ist der Apfel, den ich als
Kind stahl, die bösen Worte, die ich sagte ... Und es gibt so vieles, darunter
Schlimmes. Dort, wo ich eine Sünde nicht beging, da war es nicht mein "guter
Charakter", sondern Mangel an Gelegenheit oder Feigheit, weil ich Angst hatte,
erwischt zu werden. Es ist mein böses Herz, das Sein Kreuz so schwer macht, dass
Er, der mich so sehr liebt und trotz allem einen Freund und sogar einen Bruder
nennt, darunter dreimal zusammenbricht.
Frauen weinen um Ihn und schlagen
Ihm auf die Brust. Dennoch sagt Er: "Weinet nicht um mich!" Sie sollen um ihre
Kinder weinen, Kinder, die verloren gehen, weil sie Ihn ablehnen, Ihn, der alles
für sie getan hat!
Noch am Kreuz vergibt Er Seinen Mördern: "Vater,
vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun." Die beiden Häscher verspotten
Ihn auch, genau wie die Leute, die unterm Kreuz stehen, allen voran die
Pharisäer und Schriftgelehrten, die es besser wissen müssten und auch besser
wissen. Beide Häscher verspotten Ihn, aber der zu Seiner Rechten kommt zur
Besinnung und bittet darum, dass Jesus an Ihn denkt, wenn Er in Sein Reich
kommt. Dieser Häscher bittet nicht einmal um Vergebung, das wagt er nicht mehr.
Er bittet nur um ein Gedenken. Aber Jesus vergibt ihm im Angesicht des Todes:
"Noch heute wirst du mit mir im Paradiese sein!"
Jesus aber kümmert sich
noch um Seine Mutter, die hilflos ist ohne Ernährer; Joseph ist schon tot. Eine
Witwe hat in jener Zeit nur Almosen als Auskommen, wenn sie nicht zufällig ein
Vermögen geerbt hat.
Jesus aber kümmert sich um Seine Mutter; Sein
Lieblingsjünger wird der Versorger. Auf Ihn kann sich Jesus
verlassen.
Jesus brüllt im Sterben: "Mein Gott, mein Gott, warum hast Du
mich verlassen!" Auf Ihm ruht die Sünde der Welt, jede einzelne, auch jene, die
ich begangen habe. Gott aber ist zu heilig, um auch nur die kleinste Sünde
dulden und sehen zu können. Angewidert wendet Er, der Vater, sich von Seinem
Sohn ab, weil Dieser die Sünde der Welt trägt. Von Gott verlassen stirbt
Jesus.
Ihn dürstet. Dann befiehlt Jesus Seinen Geist, Seine Seele in die
Hand des Vaters. Damit ist es vollbracht. Jesus stirbt den Tod, den wir verdient
hätten. Der Schleier im Tempel zerreisst, der Weg zum Allerheiligsten ist frei.
Jetzt kann ich kommen, jetzt bin ich erlöst, vorausgesetzt, ich nehme dieses
Geschehen an. Dann wäscht mich Jesus in Seinem Blut.
Natürlich sind Seine
Jünger entsetzt: Jesus ist tot. Alles scheint vorbei. Die drei Jahre - umsonst?
Noch verstehen sie die Worte Jesu nicht, nicht, dass Er drei Tage später den
Tempel aufbauen wird, in dem Er wieder aufersteht.
Seine Auferstehung
wird zum Sieg über Tod und Teufel. Er hat nun die Schlüssel zur Unterwelt. Nun
hat Er die Macht an sich genommen. Der Teufel hat verloren. Endgültig. Dadurch
darf ich leben. Auch Du kannst dadurch leben.
Der Karfreitag ist für mich
deshalb kein trauriger, aber ein besinnlicher Tag, ein Tag, an dem ich nicht
resigniere, sondern darüber nachdenke, was Jesus für mich ertragen musste. Das
macht mich dankbar, aber auch demütiger. Weil Er mir vergeben hat, kann ich
vergeben, weil Er Seinen Mördern und dem Häscher am Kreuz vergeben hat, kann ich
die wenigen Kleinigkeiten verzeihen, die mir angetan worden.
Ich habe
zuhause ein Kreuz, das man aufstellen kann. Ich schaue das Kreuz an. Im Ursprung
endete der Balken, der vom Boden sich in den Himmel streckt, am Querbalken. Wir
haben aber den vertikalen Balken in unserer christlichen Symbolik verlängert.
Daraus ergibt sich ein tieferer Sinn. Wir wissen, dass mit dem Tod nicht alles
aus ist, dass es eine Auferstehung gibt.
Aber mir sagt es noch mehr. Ich
bringe in dieses Kreuz den Querbalken ein. Dieser Querbalken erinnert mich an
meine Kinderjahre, in denen ich als kleiner Schulbub das Subtrahieren lernte.
Der Querbalken ist das Minuszeichen. Dieses Minus bringe ich ein; meine Schuld
ist das grosse Manko. Ich schreibe tiefrote Zahlen. Ich habe Schuld, ich habe
damit vor Gott Schulden, Schulden, die ich nicht begleichen kann. Vor Gott bin
ich zahlungsunfähig, pleite, bankrott. Da hilft keine Pfändung, bei mir ist
nichts zu holen. Da hilft kein Offenbarungseid. Ab in den Schuldenturm, nicht
mal mit Wasser, auch nicht mit Brot. Mit mir hat Gott genug Verlust
gemacht.
Jesus aber bringt die "Verlängerung" am Kreuz mit. Dadurch wird
es zum Plus. Die Schulden sind beglichen, bezahlt, einfach so. Ich habe nichts
dazu beigetragen. Ich kann dieses Geschenk nur annehmen und dafür
danken.
Karfreitag ist deshalb für mich kein schwarzer Tag, sondern ein
Wendepunkt. Davor war ich veloren, auf ewig, war ich chancenlos. Seit diesem Tag
kann ich mich unter das Kreuz stellen. In Jesu Blut kann ich mich gründlich
waschen. Ich, dessen Schuld - der Dreck meines Lebens - zum Himmel stinkt, kann
sich reinigen. Ich werde sauber, rein. Deshalb möchte ich an diesem Tag fasten,
beten, danken. Weil Jesus für mich an diesem Tag gesiegt hat.
Bitte lesen
Sie folgende Bibelstellen:
Matthäus Kapitel 26 - Kapitel 28
einschliesslich
Markus Kapitel 14 - Kapitel16
einschliesslich
Lukuas 21:5 - 24:53
Johannes 18 - Johannes 21
einschlieslich.
Ich wünsche Ihnen einen besinnlichen, nachdenklichen
Karfreitag, getragen von einer tiefen Liebe zum auferstandenen Herren. In
Dankbarkeit für Jesu Heldentat von Golgatha grüsse ich
SieIhr
Markus Kenn
Recht für den Text
Markus Kenn
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