Der Glaube ans Geld
Dass es einen Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Religion gibt, steht aus sozilogischer Sicht schon seit längerem fest. Bei beiden geht es um den Glauben („Kredit“), um Schuld und um Wertschöpfung. Wer jemandem Geld leiht, wird als Gläubiger bezeichnet. Sein Glaube, seine ganze Hoffnung besteht darin, dass er sein Geld eines Tages wiederbekommt.
Der Soziologe Christopf Deutschmann bezeichnete den Kapitalismus in einem Vortrag am Kölner Max-Planck-Institut sogar selbst als eine Religion.
Ende der 60er Jahre hatten sich einige Hippies vor der amerikanischen Wall Street versammelt und dort öffentlich Geld verbrannt, und zwar ihr eigenes. Einige Börsianer, die das mitbekamen, schlugen daraufhin auf die Hippies ein. In ihren Augen vollzog sich dort ein religiöses Sakrileg. Wer vor den Augen eines Christen eine Bibel verbrennen würde, müsste wohl ebenso damit rechnen, dass solche eine Handlung Emotionen weckt. Und das kann mit Geld eben auch passieren.
Der US-Ökonom Robert Nelson von der Universität Maryland bezeichnet sich selbst und seine Kollegen als "Priesterschaft der Religion des Fortschritts". Wenn man das Bild weiter spinnt, so sind die Wertpapierbörsen dieser Welt die Tempel, wir Menschen die Schar der Gläubigen und das Geld der anzubetende Gott.

Jesus erinnert uns daran, dass man unmöglich Gott und dem Geld dienen kann. Beides zusammen ist unvereinbar.
„Niemand kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird einem anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ (Matthäus 6,24)
Es war also damals nicht viel anders als heute. Die Verlockung des Geldes ist zeitlos. Das Großartige an Gottes Verheissung ist das Ewige. Denn da geben sich auch überzeugte Kapitalisten keiner Illusion hin: Das Geld ist ein reiner Diesseitsgott. Eine Jenseitshoffnung gibt es nicht. Die gibt es nur mit Jesus und den Schätzen, die er für seine Nachfolger in der Ewigkeit bereit hält.
Eckart Haase