epredigt
zur Jahreslosung 2012
Liebe Gemeinde,
ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 1. Sonntag
nach Epiphanias.
Unser heutiger Predigttext begleitet uns als Jahreslosung
durch das gesamte Jahr 2012.
Daher ist es sicherlich nicht verkehrt, wenn wir einmal
gemeinsam über diese Jahreslosung nachdenken. Wir finden die Jahreslosung im 2.
Brief des Paulus an die Korinther im 12. Kapitel, Vers 9. Lassen Sie uns die
Losung zunächst gemeinsam lesen:
Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen
mächtig
Liebe Gemeinde,
es sind eigentlich zwei Worte, die uns zu denken geben,
wenn wir diese Jahreslosung lesen, zwei Worte, die wir schnell überlesen, ohne
uns ihrer Bedeutung sicher zu sein. Lassen Sie uns diese zwei Worte ein wenig
näher betrachten.
1. MEINE Kraft
Lesen wir die Losung noch einmal und legen wir die
Betonung auf MEINE. Jesus hat nicht gesagt: DIE Kraft ist in den Schwachen
mächtig, Er hat eindeutig auf SEINE Kraft hingewiesen. Was aber unterscheidet
denn SEINE Kraft von DER Kraft ? Ich glaube es sind drei Punkte, die die Kraft
unseres Herrn Jesus Christus von der, wie ich sie einmal nenne, Weltkraft
unterscheiden.
a. In der Welt herrscht die Kraft des Ich´s.
Ich bin wichtig, Ich muss Karriere machen, Ich will dies
und das erreichen.
Die Kraft der Welt regiert nach dem Motto: Erst komm ich
und dann komm ich und dann kommst Du noch lange nicht. Wohin dies führt können
wir unter anderem daran erkennen, wie viele Arme unter uns leben, die auf
staatliche Unterstützungen angewiesen sind.
Wie anders ist da doch die Kraft unseres Herrn.
Es ist die Kraft, die nicht das ICH, sondern das DU
betont.
Die Kraft unseres Herrn ist immer zuallererst auf den
anderen und auf sein Wohlergehen gerichtet.
Dazu eine kleine Geschichte: Ein Mönch wollte gern einmal
die Hölle sehen. Gern sagte Petrus und gewährte ihm einen Blick in selbige:
Dort saßen Menschen vor einem vollen Topf mit dem leckersten Essen, was wir uns
vorstellen können. Nur hatte jeder einen Löffel, der so lang war, dass er ihn
nicht zum Munde führen konnte. Also hungerten alle Menschen, die sich dort
befanden. Petrus zeigte dem Mönch aber auch noch einen anderen Raum.
Wieder saßen dort viele Menschen um einen Topf mit dem
leckersten Essen. Wieder konnte der Mönch sehen, dass die Löffel eines jeden
Bewohners viel zu lang waren, doch sahen alle diese Menschen wohlgenährt aus.
Als er sie näher beobachtete, stellte er fest, dass einer dem anderem stets den
Löffel zum Mund führte. Wo er jetzt war erkannte er sofort.
b. In der Welt herrscht die Kraft des Nehmens. Nimm dir,
was du kriegen kannst. Von nix kommt nix. So oder ähnlich lauten die Parolen in
der Welt.
Und so greift man ganz ungeniert zu, wenn es etwas zu
verteilen gibt. Das fängt bei skrupellosen Bankern an, die sich an den ihnen
anvertrauten Kundengeldern bereichern und hört bei der "frisierten"
Steuererklärung noch lange nicht auf.

Die Kraft unseres Herrn Jesus ist da ganz anders. Es ist
die Kraft des Gebens und nicht die des Nehmens. Er legt diese Kraft in uns
hinein, sodass wir fröhlich von dem abgeben können, was wir eh zuviel haben.
Nehmen wir uns doch heute Nachmittag mal eine Viertelstunde Zeit und überlegen,
von welchem "zuviel", das wir besitzen, wir denen abgeben können, die
von allem zu wenig haben. Es wird uns bestimmt so einiges einfallen.
c. Die Kraft der Welt ist die Kraft der Zerstörung. Dies
können wir an allen Ecken und Enden beobachten. Wir müssen uns nur einmal die
Kriegsschauplätze dieser Welt anschauen. Von Hass getrieben geht es da um
materielle Zerstörung bis hin zur Zerstörung von Menschenleben.
Die Kraft unseres Herrn ist eine ganz andere. Es ist die
Kraft des Aufbauens. Jesus gibt uns die Kraft, denen zu verzeihen, die uns
böses wollen, um damit die Spirale der Gewalt zu unterbrechen. Jesus gibt uns
die Kraft, auch den "hoffnungslosen Fällen" dieses Lebens aufbauend
zur Seite zu stehen.
Jesus gibt uns die Kraft unseren eigenen Egoismus
erfolgreich zu bekämpfen. Wir müssen IHN
nur darum bitten.
2. Den Schwachen
Starke Männer braucht das Land, so verkündete es uns vor
Jahren ein Schlager. Starke Männer sind es doch, die ein Land regieren, die
erfolgreich Unternehmen führen und an der Spitze der Gesellschaft stehen. Und
dann sagt Jesus, dass Seine Kraft in den Schwachen mächtig ist. Was soll das
denn ?
Können denn die Schwachen überhaupt etwas mit dieser
Kraft anfangen und bewirken ? Ich glaube eindeutig: Ja, sie können es.
Es sind ja gerade die Schwachen, die nicht auf ihre
eigene Kraft vertrauen, sondern sich allein auf die Kraft des Herrn verlassen.
Und dazu, liebe Gemeinde, gehört ganz schön viel Mut. Sich selber
einzugestehen, dass man schwach ist und alles dem überlässt, der allein stark
ist, dazu braucht es wirklich ein gerüttelt Maß an Vertrauen. Und dieses
Vertrauen ist es dann auch, welches diese Schwachen mächtig macht.
Der Starke hofft nicht, sondern er handelt. Hoffen ist
für den Starken immer ein Zeichen von Schwäche. Wer richtig handelt muss nicht
hoffen. Somit wird die Möglichkeit des Eingreifens Gottes bei den Starken von
vornherein ausgeschlossen. Anders hingegen der Schwache. Der Schwache hofft
immer und alle Zeit auf das Eingreifen unseres Herrn. Daher kann der Herr auch
nur in dem Schwachen mächtig werden, da ja der Starke geradezu das Handeln
Gottes blockiert.
Der Starke hört auf sich allein. Der Starke braucht nur
sich und seine Überzeugungen. Der Schwache hingegen ist der intelligentere von
Beiden. Der Schwache hört auf Gott, er redet regelmäßig mit Ihm und kann somit
auch Seine Kraft empfangen, weil er Ihn versteht.
Gott kann mit Seiner Kraft also nur in den Menschen
wirken, die Ihm vertrauen, die auf Ihn und Sein Eingreifen hoffen und die auch
auf Ihn hören.
Dies können wir in nahezu allen Büchern der Bibel
nachlesen.
Lassen Sie uns doch alle in diesem Jahr wieder
"schwach" vor Gott werden, damit Seine Kraft in einem jeden von uns
mächtig werden kann. Wenn wir uns so als Seine Werkzeuge gebrauchen lassen,
können wir alle einen Teil dazu beitragen, dass diese Welt ein ganz kleines
bisschen besser wird. Und dies ist fast auch schon ein Stück vom Himmel.
Wie wir wieder vor Gott schwach werden können und ihm
unser Leben anvertrauen beschrieb schon der Liederdichter Paul Gerhardt im
ersten Vers seines Liedes "Befiehl du deine Wege..." sehr schön, der
da lautet, wie folgt:
Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der
allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der
wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.
Der Herr gebe Dir die Kraft, nur auf IHN zu vertrauen Der
Herr gebe Dir die Kraft, alle Deine Hoffnung auf IHN zu setzen Der Herr gebe
Dir die Kraft, immer allein auf SEIN Wort zu hören
Amen
Liebe Gemeinde,
ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und
einen guten Start in die neue Woche.
Ich grüße Sie alle recht herzlich
Ihr
Ulrich Naber
|