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Andacht vom 9.Oktober 2007.

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Potschochters Loblied

 

 

Psalm 66 (GNB)

 

Vers 4

„Alle Welt soll dich anbeten, alle sollen dir singen, dich mit ihren Liedern preisen!“

 

 

Eines Vormittags, Potschochter kam gerade vom Einkaufen zurück, als sein Blick auf den prächtigen Dom fiel, an dem er sonst immer nur vorbeigelaufen war

„Ich habe noch ein wenig Zeit. Heute werde ich einfach wieder mal in die Kirche hineingehen“, beschloss er und stapfte zögernd durch die große Eingangstür.

Als er da so unter dem hohen Türbogen stand, kam er sich so klein vor.

Endlich kam Potschochter in das Innere des Domes. So viele wunderbare Bilder hingen dort. Eines größer als das andere.

Auch die Figuren, aus Stein gehauen, beeindruckten den kleinen Kerl sehr.

Auf den Bänken fand er roten Filz vor, der die ehrenwerten Hinterteile der Menschen etwas wärmen sollte.

So nahm auch Potschochter auf einer der Bänke Platz.

Als er seine Einkaufstasche neben sich auf die Bank gestellt hatte, griff er nach dem Buch, das vor ihm lag. Es war ein Gesangsbuch.

Plötzlich erinnerte er sich wieder an seine Schulzeit.

„Ja, genau diese Bücher hatte ich auch.“

Behände blätterte der Wicht durch die Seiten und fand endlich sein Lieblingslied.

Potschochter sah sich natürlich um, und bemerkte, dass er ganz alleine in der riesengroßen Kirche saß.

Er fasste sich ein Herz und intonierte: „Großer Gott, wir loben dich, Herr wir preisen Deine Stärke.“

Potschochter spürte, wie ihm plötzlich ein Schauer über den Rücken lief.

So laut hatte er sich noch nie zu singen getraut. Wusste er doch, dass er keinen einzigen Ton richtig traf, geschweige denn, ihn auch halten konnte.

Trotzdem machte ihm das Singen derart Spaß, dass er ein Lied nach dem anderen trällerte.

Potschochter fühlte sich so frei.

„Danke für diesen wunderbaren Gesang“, erklang eine Stimme tief drinnen in dem Sänger.

Mit einem Mal verstummte Potschochter und wurde von einer tiefen Traurigkeit ergriffen. Er erinnerte sich nämlich daran, dass er ja jetzt in Gottes Haus war, und Gott ihn ja auch hören konnte. Nun begann er sich sehr zu schämen, weil er ja so falsch gesungen hatte.

Außerdem würde er so gerne einmal draußen im Wald singen, und auch dort das Gefühl haben, dass Gott ihm nahe sei.

„Lieber Gott, warum hast du Stubenarrest?“, dachte Potschochter.

„Wie kommst denn drauf?“, fragte eine innere Stimme.

„Na ja, weil unser Lehrer immer sagte, dass man Gott in der Kirche suchen soll“, erklärte Potschochter.

„Ja, ja. Diesen Fehler machen viele!“, seufzte die Stimme tief drinnen in Potschochter.

„Ich will dir das einmal erklären. Natürlich bin ich nicht in diesem Haus hier gefangen. Ich bin überall. Aber für die Menschen ist es leichter, sich auf mich zu konzentrieren, wenn sie keine Ablenkung mehr haben. Also hat man so viele Kirchen gebaut. Aber leider kommen immer weniger Leute hier herein. Da wird es dann ganz schön kalt.“

„So ist das? Jetzt bin ich aber froh, dass du nicht hier in diesem Haus eingesperrt bist.

Ach ja, und tut mir leid, dass du mein Gejohle ertragen musstest.“, entschuldigte sich Potschochter für seinen Gesang.

„Was heißt hier Gejohle. Mein liebes Kind, hör mir gut zu. Ich habe nichts von einem Lied, das zwar klar und rein intoniert wurde, wo aber das Herz nicht mitgesungen hat. Du, lieber Potschochter, hast mir ein wunderbares Lied gesungen, nämlich das Lied Deines Herzens und deiner Seele. Und genau das ist es was ich bei den Menschen klingen hören will.“

„Dann darf ich also wieder singen?“, fragte Potschochter schüchtern

„Ich bitte darum“, lächelte die Stimme aus Potschochters Herzen.

 

© Diane Legenstein, 2007




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