Jesus sucht die Verlorenen
Was würden wir zu jemanden sagen, der sich selbst als Christ bezeichnet und zu den Verstoßenen geht: Obdachlose, Langzeitarbeitslose, zu Alkoholikern, Drogensüchtigen, Vorbestraften? Und wollen wir in unseren Gemeinden wirklich jene sehen, die irgendwann einmal - vielleicht noch vor kurzem - Stricher oder Prostituierte gewesen sind? Ja, ich gebe es zu: Ich tue mich damit schwer, ich entdecke hier meine eigenen Vorurteile, meine eigene Schuld.
Aber Mission bedeutet ja nicht nur, dass man zu den "Pflegeleichten" geht, zu denen, die zwar nach dem Lebenssinn suchen, aber ansonsten in geordneten und ordentlichen Verhältnissen leben, die bereit sind, Gutes zu tun und Gefälligkeiten zu erweisen, sondern auch, dass man sich die "schwierigen Fälle" heranwagt. Jesus schickt uns zwar auch in die Welt der Reichen und Schönen - denn auch sie brauchen Rettung -, aber er kennt auch die "Operation Pflegefall", die Alten, Gebrechlichen, die Gescheiterten, die Gestrandeten, diejenigen, die niemand mehr will, die Ausgestoßenen, die Leute, die dreckig sind, kaputt, aufgegeben. Er sendet uns auch zu denen, die charakterlich total verkommen sind, die Betrüger, die Schwindler, die Ausbeuter, die Gewalttätigen.
Klar: Nicht jeder ist zur Mission unter Rockern berufen, nicht jedem ist es gegeben, auf Trinker oder Drogenabhängige zuzugehen. Der Eine kann vielleicht gut auf Trauernde zugehen, der Andere ist dafür mehr der Typ, der die Angehörigen einer anderen Religion ansprechen und überzeugen kann. Wir alle aber dürfen keine Berührungsängste haben, vor allen Dingen nicht zu den Neubekehrten. Sind wir letztendlich nicht auch aus Gnade gerettet?
Nein, als Christen dürfen wir keine Angst davor haben, zu den Sündern zu gehen, mag es sich dabei um die Zöllner, die Prostituierten, die Samariter - kurz gefasst: um die Ausgestoßenen - handelt. Haben wir auch keine Angst davor, auch die Spießer, die Selbstgerechten, die Abergläubigen, die Gleichgültigen anzusprechen. Jesus ist schließlich gekommen, um zu retten, was verloren ist!
Bibellesetipps:
"Und danach ging er aus und sah einen Zöllner mit Namen Levi am Zoll sitzen und sprach zu ihm: 'Folge mir nach!' Und er verließ alles, stand auf und folgte ihm nach. Und Levi richtete ihm ein großes Mahl zu in seinem Hause, und eine große Menge Zöllner und andere saßen mit ihm zu Tisch. Und ihre Schriftgelehrten und die Pharisäer sprachen: 'Warum esst und trinkt ihr mit den Zöllnern und Sündern?' Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: 'Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Buße.'"
(Lukas 5:27-32)
"Und er ging hinein und zog durch Jericho. Und siehe, da war ein Mann, genannt Zachäus, der war ein Oberster Zöllner und war reich. Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte nicht wegen der Volksmenge; denn er war klein von Gestalt. Und er lief voraus und stieg auf einen Malbeerbaum, damit er ihn sähe; denn dort sollte er durchkommen. Und als er an die Stelle kam, sah Jesus auf, erblickte ihn und sprach zu ihm: 'Zachäus, steig eilends herab; denn ich muss heute in deinem Hause einkehren.' Und er stieg eilends herab und nahm ihn auf mit Freuden. Als sie das sahen, murrten sie alle und sagten: 'Bei einem Sünder ist er eingekehrt.' Zachäus aber trat hin und sprach zu dem Herrn: 'Siehe, Herr, die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und wenn ich jemand betrogen habe, so gebe ich vierfältig zurück.' Jesus aber sprach zu ihm: 'Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, wie denn auch er ein Sohn Abrahams ist. Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist.'"
(Lukas 19:1-10).
Mit den besten Segenswünschen
Euer
Markus Kenn