An den Flüssen Babylons
Bald schon wieder feiern die Juden eines ihrer höchsten Feste: Das Passah-Fest. Es erinnert an die großartige Befreiung des Volkes Gottes aus der ägyptischen Knechtschaft.
Mir ging dieser Tage Psalm 137 nicht aus dem Kopf. Dieser Psalm erinnert zwar nicht an die ägyptische Gefangenschaft, sondern an die in Babylon, aber auch das war eines der einschneidensten Ereignisse in der israelischen Geschichte. Der Psalm ist ein Klagelied, das nach der Wegführung in das babylonische Exil verfasst wurde:
Psalm 137 Klagelied der Gefangenen
(nach: Hoffnung für alle)
Wir saßen an den Flüssen Babylons und weinten, wenn wir an Zion dachten.
2 Unsere Lauten hängten wir an die Zweige der Pappeln, wir hatten aufgehört, auf ihnen zu spielen.
3 Unsere Peiniger hielten uns gefangen und wollten Lieder von uns hören; sie verlangten von uns, daß wir Freudengesänge anstimmen. Höhnisch forderten sie: "Singt doch eins von euren Zionsliedern!"
4 Doch wie hätten wir im fremden Land Lieder zur Ehre Gottes singen können?
5 Jerusalem, wenn ich dich jemals vergesse, dann soll meine rechte Hand lahm werden!
6 Die Zunge soll mir am Gaumen kleben bleiben, wenn ich nicht mehr an dich denke, wenn du, Jerusalem, nicht mehr meine größte Freude bist!
7 Herr, vergiß es den Edomitern nicht, wie sie jubelten, als Jerusalem in die Hand der Feinde fiel! Damals grölten sie: "Reißt sie nieder, diese Stadt! Zerstört ihre Häuser bis auf die Grundmauern!"
8 Babylon, auch dich wird man niederreißen und verwüsten! Glücklich ist, wer dir heimzahlt, was du uns angetan hast!
9 Glücklich ist, wer deine kleinen Kinder packt und am Felsen zerschmettert!
Irgendwie finde ich, ist das auch ein Trostpsalm. Die Juden fragten sich, wie sie denn in einem fremden Land Lieder zur Ehre Gottes singen könnten. Ich glaube, das geht uns heute auch manchmal so. Auch ein Christ befindet sich in einem fremden Land. Es geht uns wirklich nicht immer gut. Auch uns fällt es schwer, im fremden Land, insbesondere wenn es uns nicht gut geht, dem Herrn Jubellieder zu singen. Das hat auch der Psalmist hier gesehen. Traurig waren die Juden, nachdem ihre Stadt Jerusalem (Zion) von den Babyloniern zerstört wurde und das harte Los der Gefangenschaft folgte.
Aber der Psalm zeigt auch, dass die Juden ihre Stadt nie vergessen würden (Verse 5+6). Auch wissen wir um das Schicksal Babylons, wie es uns im Buch der Offenbarung vorhergesagt wird. Ich möchte auf keinen Fall in der Haut Babylons stecken. Wir sehen das beginnende Gericht bereits heute im jetzigen Babylon (Irak). Auch der selbst ernannte Nachfolger des babylonischen Königs Nebukadnezar (Saddam Hussein) ist seiner Strafe nicht entgangen.
Aber kann die Rache Gottes Trost für uns sein? Nein, sicher nicht. Trost bleibt uns allein darin, dass Gott jede Träne einst abwischen wird. Wir werden einmal aus diesem fremden Land, der Welt, in unsere himmlische Heimat gelangen und dort auf ewig feiern und anbeten.
Zur Aufheiterung für alle noch ein kleiner Bonus: Eine bekannte Popgruppe hat Psalm 137 einmal vertont. Das könnte ihr euch hier anhören. Viel Freude dabei!
Eckart Haase