Evangelisieren ohne Berührungsängste
Ist Ihnen Mission auch wichtig? Liegt Ihnen die Evangelisation sehr am Herzen? Wollen Sie die Menschen mit der Guten Nachricht erreichen von der Erlösung, die Jesus schenkt? Ja? Dann schlägt echte Retterliebe für die Verloren in Ihrem Herzen.
Auch ich sehe in der Evangelisation die vornehmste und schönste Aufgabe eines Christen, auch in mir schlägt Retterliebe, wenn auch zuwenig. Aber ich bemühe mich, die Menschen zu erreichen.
Aber vielleicht geht es Ihnen so wie mir: Am Liebsten sind mir jene, die pflegeleicht sind, diejenigen in geordneten Verhältnissen, die, die sauber sind und am Besten bei der Einladung noch eine gute Flasche Wein mitbringen. Schön auch, wenn sie nicht allzu viele Fragen stellen und schon gar keine schwierigen.
An die komplizierteren traue ich mich dann nicht ran: Das kostet Zeit und oft erwische ich mich dabei, diejenigen als nervig zu betrachten, die alles ganz genau wissen wollen. Über die Ungepflegten rümpfe ich die Nase, und warum sollte ich mich denn auf die Alkoholiker einlassen und die, die keiner haben will? Mein Ruf könnte ja leiden....
Auf gut deutsch: Statt zu evangelisieren bin ich dann mit meinen Vorurteilen beschäftigt, verzettele mich und wundere mich, dass ich kein positives Feedback habe. Ich stolpere über meine eigenen Berührungsängste.
Jesus hingegen hat da keine Skrupel: Er sprach in der Zeit, als Er mit Menschenaugen gesehen werden konnte, mit Samaritern, Zöllnern, Ehebrecherinnen, Frauen, Huren, mit Besatzungssoldaten, Heiden .... Für die strenggläubigen, gesetzestreuen Schriftgelehrten und Pharisäer war Er damit einer, der Skandale auslöst!
Und mal ganz ehrlich: Was würden wir denken, wenn jemand die Aufforderung des Pastors ernst nimmt und raus geht, um zu missionieren und dann lauter "sonderbare" Leute mitbringt: Asylbewerber, Langzeitarbeitslose, skurrile Typen, die schwer einzuschätzen sind, Kriminelle, Menschen mit einem schlechten Ruf, Ausgestoßene, Obdachlose, Gescheiterte, Trinker, Drogensüchtige, Stricher ... Mit dem ersten Teil, der Mission, würde sich wohl jeder von uns anfreunden, aber doch nicht mit solchen Gestalten?
Jesus aber ist gekommen, das Verlorene zu suchen und zu retten, und Er hat einen Faible für die Falschen und ganz besonders für die Falschesten: Moses hatte eine schwere Zunge, war also kein guter Redner und hatte jemanden umgebracht; zudem gehörte er - obwohl eigentlich Hebräer - zu den Ausbeutern des jüdischen Volkes im alten Ägypten, und doch wurde er derjenige, der sein Volk aus der Knechtschaft herausführte, weil Gott ihn dazu berufen hat. Jona hatte Angst vor seinem Job - die meisten anderen Propheten waren da auch nicht viel mutiger und versuchten, sich zu drücken. Petrus war eigentlich ein Großmaul, der viel versprach und sich dann doch feige verkrümelte: Dennoch setzte Jesus Sein Vertrauen auf ihn; Petrus ist einer der ersten christlichen Märtyrer. Paulus war ein Mörder und Christenhasser und wurde zum Völkerapostel.
Auch mich hat Jesus angenommen. Wenn ich folgenden Satz von mir gebe, dann meine ich das weder ironisch noch zynisch, sondern es trifft das, was ich eigentlich bin: Ich gehöre im Grunde zu den Leuten, vor denen mich meine Eltern immer gewarnt haben bzw. zu den Kindern, mit denen zu spielen meine Eltern mir verboten hätten.
Langer Rede kurzer Sinn: Jesus weiß, dass es nicht die guten, braven Leute sind, bei denen alles in Ordnung zu sein scheint, welche er beruft; diejenigen, die brav und bieder sind, meinen oft, sie seien gut genug für den Himmel, ein folgenschwerer Irrtum, von denen sie nur schwer abzubringen sind. Die Ausgestoßenen und Verkommenen sind meist offener dafür. In Indien kommen viele Neubekehrte aus der hinduistischen Kaste der Unberührbaren, welche zu Christen werden. Auch William Booth, der Gründer der Heilsarmee, hatte ein Herz für die Slumbewohner Londons; heute hilft die Heilsarmee in vielen Problemvierteln unserer Städte weltweit. Das Gleichnis vom Hochzeitsmahl macht uns auch den Mut, zu denen hinzugehen, die wir als die Falschen ansehen, weil Jesus gerade die sucht, die von Menschen aufgegeben worden sind. Vielleicht liegt es daran, dass Er durch sie Seine Macht und Herrlichkeit zeigen will.
Bibellesetipp:
Matthäus, Kapitel 22,1-14:
"1. Und Jesus antworte und redete abermals durch Gleichnisse zu ihnen und sprach:
2. 'Das Himmelreich ist gleich einem König, der seinem Sohn Hochzeit machte.
3. Und er sandte seine Knechte aus, die Gäste zur hochzeit zu rufen; doch sie wollten nicht kommen.
4. Abermals sandte er andere Knechte aus und sprach: Saget den Geladenen: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh sind geschlachtet, und alles ist bereit; kommt zur Hochzeit!
5. Aber sie verachteten das und gingen hin, einer auf seinen Acker, der andere an sein Geschäft;
6. die übrigen aber ergriffen seine Knechte, verhöhnten und töteten sie.
7. Als das der König hörte, wurde er zornig, schickte seine Heere aus, brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an.
8. Dann sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Geladenen waren's nicht wert.
9. Darum gehet hin an die Straßenecken und ladet zur Hochzeit, wen ihr findet.
10. Und jene Knechte gingen aus auf die Strassen und brachten zusammen, wen sie fanden, Böse und Gute; und der Hochzeitssaal wurde voll von Gästen.
11. Da ging der König hinein, die Gäste zu besehen und sah da einen Menschen, der hatte kein hochzeitliches Kleid an;
12. und sprach zu ihm: Freund, wie bist du hereingekommen und hast doch kein hochzeitliches Kleid an? Er aber verstummte.
13. Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm die Hände und Füße, nehmet ihn weg und werfet ihn in die ässere Finsternis hinaus! Da wird sein Heulen und Zähneklappern.
14. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt."
Mit den besten Segenswünschen
Euer
Markus Kenn