Die
Epredigt : JESUS allein!
Liebe Gemeinde,
ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 2. Sonntag
nach Epiphanias. Unser heutiger Predigttext führt uns zu dem wirklich wichtigen
in unserem christlichen Glauben oder anders ausgedrückt zu dem, worüber in
allen christlichen Konfessionen und Glaubensgemeinschaft Einigkeit herrscht.
Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im 1. Brief des Paulus an
die Korinther im 2. Kapitel, die Verse 1-10. Lassen Sie uns diesen Text
zunächst gemeinsam lesen:
Auch ich, liebe Brüder, als ich zu euch kam, kam ich
nicht mit hohen Worten und hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu
verkündigen. Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als
allein Jesus Christus, den Gekreuzigten. Und ich war bei euch in Schwachheit
und in Furcht und mit großem Zittern; und mein Wort und meine Predigt geschahen
nicht mit überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des
Geistes und der Kraft, damit euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit,
sondern auf Gottes Kraft. Wovon wir aber reden, das ist dennoch Weisheit bei
den Vollkommenen; nicht eine Weisheit dieser Welt, auch nicht der Herrscher
dieser Welt, die vergehen. Sondern wir reden von der Weisheit Gottes, die im
Geheimnis verborgen ist, die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer
Herrlichkeit, die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; denn wenn
sie die erkannt hätten, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht
gekreuzigt.
Sondern es ist gekommen, wie geschrieben steht (Jesaja
64,3) "Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines
Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat, denen, die ihn lieben."
Uns aber hat es Gott offenbart durch seinen Geist; denn der Geist erforscht
alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit.
Liebe Gemeinde,
der zentrale Satz aus dem heutigen Predigttext, über den
wir am heutigen Sonntag gemeinsam nachdenken wollen lautet:
"Denn ich hielt es für richtig unter euch nichts zu
wissen, als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten."
Was bedeutet dieser Satz denn heute für uns, die wir zu
Beginn das Jahres 2012 auf das Wort Gottes hören ? Nun, ich denke, drei Punkte
will uns Paulus mit diesem Satz sagen.
1. Jesus ist der Mittelpunkt
Nehmen wir einmal an, ein Bekannter fragt Sie, was er
denn tun müsse, um auch in den Himmel zu kommen. Das einzige, was er wissen
muss, ist, dass unser Herr Jesus Christus für unsere Sünden am Kreuze bezahlt
hat und dass alle, die dieses Gnadenangebot der Sündenvergebung annehmen fortan
Gottes geliebte Kinder sind. Mehr ist wahrhaftig nicht nötig.
Bei allem, was wir tun, muss immer Jesus im Mittelpunkt
stehen.
Konfessionen sind dahingegen vollkommen bedeutungslos. Um
in den Himmel zu kommen ist es nicht notwendig evangelisch oder katholisch zu
sein oder einer anderen Konfession anzugehören. Den Himmel erlange ich nicht
über die Kirche, sondern nur über Jesus. Wenn wir uns dies vor Augen halten,
dann können wir alle Konfessionsstreitigkeiten in einem ganz anderen Licht
betrachten.
Wir müssen nicht vehement hinter unserer eigenen
Konfession stehen und diese bis auf's Messer verteidigen. Wir dürfen Rituale
der jeweils anderen Konfession annehmen, als das, was sie sind, nämlich
äußerliche Handlungen, die bedeutungslos sind, wenn nicht Jesus im Mittelpunkt
steht. Und da ist leider auch eine große Gefahr latent vorhanden. Durch
verschiedene Auffassungen von Opfern und Ritualen gibt es immer mehr religiöse
Gemeinschaften, die sich immer mehr auf ihre eigenen "Regeln"
besinnen. Wir laufen Gefahr, dass wir nicht mehr auf den schauen, der im
Mittelpunkt unseres Glaubens stehen soll.
Ich möchte keinem Angehörigen welcher Konfession auch
immer auf die Füße treten, aber ich möchte uns alle auffordern, unsere
Konfessionen zu "entrümpeln", damit unsere Sicht wieder frei werden
kann, frei für den Mittelpunkt unseres Glaubens, frei für Jesus Christus. Wir
verstecken uns nämlich auch all zu gerne hinter konfessionellen Besonderheiten.
Wenn wir diese an die Seite schieben, haben wir freie Sicht auf Jesus.
2. Freie Sicht auf Jesus
Was mache ich denn mit der freien Sicht auf Jesus ? Das
kann manchmal ganz schön unangenehm werden, wenn ich nichts mehr habe, wohinter
ich mich verstecken kann. Auf einmal stehe ich so vor Jesus, wie ich geschaffen
worden bin. Mit all meinen schlechten Gedanken, Worten und Taten. Nur, wenn ich
freie Sicht auf Jesus habe, kann es zu einer persönlichen Beziehung mit Ihm
kommen. Dann kann ich Ihm all den Dreck und Schmutz meines Lebens vor die Füße
werfen und Ihn um Reinigung bitten.
Nur wenn ich die freie Sicht auf Jesus habe, dann wird
mir bewusst, dass allein in IHM das Heil zu suchen ist und nicht in
irgendwelchen religiösen Ritualen. In dieser persönlichen Beziehung kann ich
von Jesus lernen, was es heißt, ein Leben im Glauben zu führen. Das hört sich jetzt
ein wenig pathetisch an, ist aber ganz einfach zu bewerkstelligen durch: Hören,
schauen und lernen.
Eine gute Freundschaft zu anderen Menschen gelingt meist
dann, wenn bestimmte Ähnlichkeiten vorhanden sind. Ähnliche Hobbies, ähnliche
Ansichten oder ähnliche Berufe. Es verbindet einen etwas in einer Freundschaft.
Genau so ist dies auch in der Beziehung zu unserem Herrn Jesus Christus. Wir
sollen von Ihm lernen, wie wir Ihm ähnlich (nicht gleich) werden können. Wenn
wir z.B. die Bergpredigt lesen, so steckt die voller Verhaltensweisen, die
unser Herr von uns erwartet.
Bei älteren Brüdern und Schwestern im Glauben können wir
direkt schauen, wie ein Leben im Glauben gelebt werden kann. Von diesen
Menschen können wir lernen. Noch mehr lernen können wir allerdings dann, wenn
wir uns einer christlichen Gemeinschaft anschließen. Dort werden wir
aufgefangen, wenn es uns einmal schlecht ergeht. Dort können wir unserem Herzen
Luft machen, wenn uns nicht alles so gelingt, wie wir uns das Leben im Glauben
vorstellen.
Von einer solchen Gemeinschaft dürfen wir uns auch
liebevolle Kritik gefallen lassen, die uns auf unsere Fehler aufmerksam macht.

3. Der Königsweg
Bisher war ja alles eher ein wenig theoretisch. Jetzt
kommt die Praxis.
Jesus will nämlich nicht, dass wir nur zu Hause sitzen
und eifrig unsere Bibel studieren. Alles, was wir gehört, gelesen und gelernt
haben, sollen wir auch in unserem ganz normalen Alltagsleben umsetzen.
Im Hauskreis von Jesus Zeugnis abzulegen ist nicht
besonders schwer, gleiches aber an der Arbeitsstelle zu tun ist schon nicht
mehr ganz so leicht.
Wir sollen aber auch keine Sonntagschristen sein, sondern
Menschen, die unserem Herrn ganz und gar gehören, also alle Tage und mit
"Haut und Haaren".
Während des Kirchenkampfes im Dritten Reich hat der
damalige Präses der westfälischen Kirche einmal gesagt: "Sei ganz Sein,
oder lass es ganz sein."
Dies klingt gewiss hart, trifft aber den Kern der
christlichen Botschaft.
Jede Sache hat ja bekanntermaßen zwei Seiten. So hat auch
"Sei ganz sein, oder lass es ganz sein" eine weniger harte Seite. Die
schöne Seite lesen wir bei Matthäus im 28. Kapitel, die Verse 18-20: "Mir
ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu
Jüngern alle
Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des
Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch
befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt
Ende."
Ist das nicht eine wunderbare Zusage. Egal, wo wir in
Seinem Namen unterwegs sind, ER ist stets bei uns. Wir brauchen nichts zu
befürchten, uns lächerlich zu machen, ER ist ja bei uns. Er, der alle Macht im
Himmel und auf Erden besitzt, wird Seine geliebten Kinder niemals im Stich
lassen.
Wie Jesus auch heute noch eingreifen kann, mag folgendes
Beispiel erläutern:
Wir waren auf einer christlichen Diskussionsveranstaltung
mit etlichen Referaten. Natürlich kamen auch äußerst liberale Theologen zu
Wort. Einer von ihnen, ansonsten ein ausgezeichneter Rhetoriker, verhedderte
sich dermaßen in seinem Referat, dass er dies nur mühsam zu einem unseligen
Ende bringen konnte. In der Pause sprach ich mit einem Freund über diesen
Vorfall. Er sagte nur: Ich habe gebetet: Herr, dreh ihm das Wort im Mund herum,
und das hat Er dann auch getan."
Wenn wir ganz SEIN
sind, liebe Gemeinde, dann wird ER unser Leben lang bei uns sein. ER
wird uns tragen, wenn wir nicht mehr alleine weiter können.
ER wird uns ermuntern und ermutigen, wenn wir einmal ganz
niedergeschlagen sind und ER wird uns auch in der letzten Phase unseres
irdischen Lebens als treuer Freund zur Seite stehen, der uns über die Schwelle
des Todes in den Himmel bringt.
Der Liederdichter Hermann Franke beschreibt ein Leben in
der Gegenwart unseres Herrn sehr schön, kurz und prägnant in dem ersten Vers
seines Liedes:
"Nun aufwärts froh den Blick gewandt...", der
da lautet, wie folgt:
Nun aufwärts froh den Blick gewandt
und vorwärts fest den Schritt !
Wir gehn an unsers Meisters Hand,
und unser Herr geht mit.
Sei ganz sein, damit ER auf ewig ganz Dein sein kann Sei
ganz sein, damit ER Dir immer wieder begegnen kann Sei ganz sein, damit Du
SEINE Botschaft weitergeben kannst
Amen.
Liebe Gemeinde, ich wünsche Ihnen allen noch einen
gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche, durch welche ER Sie
sicher führen möge.
Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr
Ulrich Naber
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