Abraham
und sein Gehorsam! DIE EPREDIGT!
Liebe Gemeinde,
ich grüße Sie alle recht herzlich zum 2. Sonntag in
der Passionszeit.
Den Predigttext des heutigen
Sonntages finden wir im Brief an die Hebräer im 11. Kapitel, die Verse 8-10.
Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:
Durch den Glauben
wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, in ein Land zu ziehen, das er
erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo
er hin käme. Durch den
Glauben ist er ein Fremdling gewesen in dem verheißenen Lande wie in einem
fremden und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben
Verheißung. Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren
Baumeister und Schöpfer Gott ist.
Liebe Gemeinde,
stellen Sie sich
einmal vor, ein Mitarbeiter eines Missionswerkes, der Sie und Ihre
Glaubensfestigkeit gut kennt kommt eines Tages zu Ihnen zu Besuch. Er bietet
Ihnen, natürlich bei vollem Lohnausgleich und einer Arbeitsplatzgarantie die
Möglichkeit an, in Bagdad an einem Straßenevangelisationsprojekt teilzunehmen.
Eigentlich eine ganz tolle Aufgabe, das Geld stimmt, die Familie ist versorgt
oder kann sogar mitkommen, aber irgendwie wäre es mir doch ganz schön mulmig.
Natürlich habe ich schon häufig über Matthäus 28 (Gehet hinaus und machet zu
Jüngern alle Völker...) gepredigt, aber gleich Bagdad ? Da gibt es doch bestimmt
einen, der näher dran wohnt,oder etwa doch nicht ?
Aber wie war das
eigentlich damals bei Abraham ? Abraham lebte mit seiner Familie im Lande
Kanaan. Da uns die Bibel keine weiteren Auskünfte über die Art und Weise seiner
Lebensumstände angibt, dürfen wir davon ausgehen, dass Abraham ein ganz
"normales" Leben führte. Er war kein religiöser Schwärmer, sondern ein eher
vernunftgesteuerter Mensch.
Aber dennoch war Abraham irgendwie ein wenig
anders. Folgende Punkte fallen uns auf, wenn wir den Predigttext näher
betrachten:
1. Der Glaube.
Gott war Abraham erschienen und tat ihm
seine Zukunft kund. Abraham glaubte der Verheißung Gottes und machte sich auf
den Weg. Und zwar ohne
die Zweifel, die ich gehabt hätte und ohne vorher das
"für" und "wider" erst einmal abzuwägen. Wenn wir das griechische Wort für
Glauben "Pisteuein" wörtlich übersetzen, dann bedeutet dies "sich an etwas fest
machen". Wenn ich mich an etwas festmache, dann binde ich meine ganze Existenz
daran.
Wenn ich meine ganze Existenz, also alles was ich bin und habe an
Gott fest mache, dann habe ich einen Glauben der dem von Abraham
entspricht.
Gott möchte uns auch heute im 21. Jahrhundert aufmuntern,
dass wir ihm so vertrauen, wie Abraham dies getan hat. Nun mögen einige von
Ihnen vielleicht denken, "Ja, wenn Gott auch mir so direkt erscheinen würde, wie
damals dem Abraham, ja, dann würde ich natürlich sofort glauben".
Liebe
Gemeinde, Gott ist uns genau so erschienen, wie er dereinst Abraham erschienen
ist. In Jesus Christus ist Gott Mensch geworden und hat auch uns Verheißungen
(Versprechungen) gegeben:
Matthäus 6, 25: Sorgt nicht um euer Leben, was
ihr essen und trinken werdet.....
Matthäus 10, 28: Fürchtet euch nicht vor
denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können...
Matthäus
28,19: Darum geht hin und machet zu Jüngern alle Völker....
Johannes 5, 24:
Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat hat das ewige Leben und
kommt nicht in das Gericht...

Untersuchen Sie doch heute einmal das Neue
Testament auf alle Verheißungen hin, die uns unser Herr dort
mitteilt.
Vertrauen wir eigentlich noch den Verheißungen, die an uns
gerichtet sind heute genau so, wie es Abraham zu seiner Zeit getan hat
?
2. Der Auszug
Ausgestattet mit den Verheißungen Gottes zog
Abraham aus in das Land, das ihm Gott verheißen hat. In Demut und Bescheidenheit
ging er sorglos
diesen Wege, den ihm der Herr anbefohlen
hatte.
Ausgestattet mit den Verheißungen Gottes können auch wir
"ausziehen".
Wenn wir das Wort "ausziehen" einmal in einem anderen Sinne
anwenden, dann können wir z.B. all unsere Sorgen ausziehen und allein dem
Wort
unseres Herrn vertrauen. Dann können wir auch all unser hektisches
Treiben "ausziehen" und in aller Ruhe und Stille unter Gottes Wort kommen und
sein Wort hören. Dann dürfen wir auch unsere ganze Selbstsicherheit "ausziehen"
und mit Demut vor unserem Herrn erscheinen.
3. Das Warten auf Gottes
Auftrag
Ich glaube, der größte Fehler bei vielen unserer Entscheidungen
ist es, dass wir sie treffen, ohne mit unserem Herrn darüber gesprochen
(gebetet) zu haben oder auf sein Wort gewartet zu haben. Wir vertrauen unsere
geschäftlichen Belange lieber einem Unternehmensberater an, als unseren Herrn um
Hilfe zu fragen. Wir vertrauen dem Ratschlag unserer Freunde und Bekannten
häufig mehr, als Gottes Ratschlag. Und letztendlich trauen wir uns häufig viel
mehr zu, als wir zu leisten tatsächlich in der Lage sind.
So erging es
auch Abraham. Nachdem für Abraham und seine Frau feststand, dass sie keine
Kinder bekommen können, kam seine Frau auf die Idee, eine Leihmutter (so würden
wir sie heute wohl nennen)für diese Zwecke einzusetzen. Wie Sie im ersten Buch
Mose ab Kapitel 16 nachlesen können,
ging dies natürlich so richtig
schief.
Doch irgendwann hatte auch Abraham eingesehen, dass ein
derartiges Vorhaben letztendlich immer nur in's Unglück führen kann. Und so gab
er sich ganz Gott hin und wurde nicht mehr von sich aus tätig, sondern erst
dann,wenn er Gottes Stimme vernommen hatte.
Liebe Gemeinde, im Gegensatz
zu Abraham haben wir einen entscheidenden Vorteil. Gott hat uns in der Person
Jesu Christi alles gesagt, was für unser Leben wichtig ist, und wie wir unser
Leben gestalten sollen. All dies steht auf rund 140 Seiten des Neuen Testaments
(in den vier Evangelien) geschrieben.
Wir müssen gar nicht erst die
schmerzhaften Erfahrungen eines Abraham durchleben. Wenn wir unser Leben von
Anfang an konsequent an Gottes Wort ausrichten, werden wir zwar auch das eine
oder andere Leid erfahren, aber unser Herr wird uns durch diese Zeiten hindurch
tragen. Vor allem
aber möchte uns unser Herr vor allem bewahren, woran unsere
Seele Schaden nehmen könnte.
Der Liederdichter Johann Heermann beschreibt
den Weg mit unserem Herrn, wie ich finde, sehr treffend mit folgendem
Liedvers:
Lass dich, Herr Jesu Christ durch mein Gebet bewegen
Komm in
mein Haus und Herz und bringe mir den Segen
All Arbeit, Müh und Kunst ohn
dich nichts richtet aus;
wo du mit Gnaden bist, gesegnet wird das
Haus.
Der Herr gebe dir ein Herz voller Demut, damit Du seine Stimme
hören kannst.
Der Herr gebe Dir ein mutiges Herz, damit Du Deinen Weg
frohgemut beschreiten kannst
Derr Herr gebe dir ein bescheidenes Herz, dass
dich vor Hochmut bewahrt
Amen.
Ich wünsche Ihnen noch einen
guten Start in diese
Woche.
Ihr
Ulrich Naber
P.S.: Ich bin nunmehr häufiger
darauf angesprochen worden, ob ich nicht konkrete Hilfestellungen anbieten
könnte nach dem Motto "Jesus Christus
im Alltag (er)leben".
Ich möchte
heute mit einem kleinen, aber sehr wirkungsvollem Ratschlag beginnen: "Prüfe bei
jeder Entscheidung im Leben, ob der beabsichtigte
Weg dich näher zu Gottes
Liebe hinführt, oder aber weiter von ihr wegzieht." (Matthias Große, ev.
Pfarrer)