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Andacht vom 19. Juni 2009.

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Verlorener Sohn und Spiegel Gottes!

Liebe Gemeinde,

Wenn unser Herr in Gleichnissen zu den Menschen sprach, dann wählte er
Beispiele, die so richtig mitten aus dem Leben stammten. Nur so konnten sich die Menschen damals wiederfinden. Und so können wir uns
auch heute noch in den Gleichnissen Jesu wiederfinden. Es ist, als ob uns unser Herr einen Spiegel vor unser Gesicht hält, in welchem wir uns selber
erkennen können. Einen solchen Spiegel hält uns Jesus auch mit unserem heutigen Predigttext vor unser Gesicht. Es handelt sich um das
Gleichnis vom verlorenen Sohn. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei dem Evangelisten Lukas im 15. Kapitel, die Verse 11-32. Lassen
Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Vom verlorenen Sohn

Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne. Und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht. Und er
teilte Hab und Gut unter sie. Und nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land; und dort brachte er sein
Erbteil durch mit Prassen. Als er nun all das seine verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land, und er fing an zu darben und ging
hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit
den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm. Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle
haben, und ich verderbe hier im Hunger !
Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: 
Vater ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht mehr wert. dass ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner
Tagelöhner ! Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn; er lief
und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm:
Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen
Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße und
bringt das gemästete Kalb und schlachtet's; lasst uns essen und fröhlich sein. Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war
verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein. Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Und als er nahe zum Hause
kam, hörte er Singen und Tanzen und rief zu sich einen der Knechte, und fragte, was das wäre. Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein
Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wieder hat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein
Vater heraus und bat ihn. Er antwortete aber und sprach zu seinem Vater:
Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten, und du hast mir nie einen Bock gegeben, dass ich mit meinen Freunden
fröhlich gewesen wäre. Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und gut mit Huren verprasst hat, hast du ihm das gemästete Kalb
geschlachtet. Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein. Du solltest aber fröhlich und guten
Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden.


Liebe Gemeinde,

ein Spiegel ist schon eine feine Angelegenheit. Man kann schauen, ob die Kleidung richtig sitzt, ob die Frisur optimal gestylt ist oder ab man (Frau)
sich richtig geschminkt hat. Erst ein Blick in den Spiegel ermöglicht es uns, Korrekturen an unserem Äußeren durchzuführen. Daher benutzt Jesus auch
gern einen Spiegel. Gewiss, Er benutzt einen anderen Spiegel, ich möchte mal sagen, Er benutzt einen Seelenspiegel, den Er uns vor unser Gesicht
hält. Nur so erkennen wir, wo wir falsche Wege eingeschlagen haben. Damit lässt uns unser Herr aber nicht allein, wie unser heutiges Gleichnis zeigt,
Er zeigt uns auch den Weg zurück. Lassen Sie uns das heutige Gleichnis doch einmal von seiner Chronologie her betrachten. Drei Stadien fallen uns
dabei sozusagen direkt in's Auge:

1. Der Auszug

Die Konfirmationen dieses Jahres sind noch nicht all zu lange her. Und wenn wir uns in unseren Kirchen umschauen, dann glänzen zahlreiche der neu
aufgenommenen Gemeindemitglieder zunächst einmal durch ihre Abwesenheit. "Ich will zunächst einmal etwas vom Leben haben, später
kommt dann die Kirche dran". Diese Aussage, liebe Gemeinde hört man immer öfter, wenn man junge Menschen befragt, warum sie so gar nichts mit Kirche
zu tun haben wollen. Junge Menschen fühlen sich oftmals eingeengt durch christliche Lebensregeln, die ihnen ihre vermeintliche Freiheit
beschneiden wollen.

Genau so mag es dem jüngeren Sohn in unserem Gleichnis gegangen sein. In unserem heutigen Sprachgebrauch würde er wohl zu seinem Vater gesagt haben:
"Ich hab die Sache satt mit all diesen Regeln und so. Ich will endlich meine Freiheit genießen." Sein Vater überschüttet ihn nicht mit
Vorwürfen, was er doch so alles für ihn getan hat. Nein, er lässt den Sohn ziehen. Gottes Reich ist eben das einzige Reich, welches ohne jedweden
Zwang auskommt.

Nach seinem Auszug scheint zunächst auch alles gut zu gehen, doch schon bald landet der jüngere Sohn in der Gosse. Er wollte doch nur etwas vom Leben
haben, und das hat er nun davon. Haben wir nicht alle einmal so gedacht oder kennen jemanden, der vielleicht heute noch so denkt ?
Natürlich lockt die angeblich grenzenlose Freiheit. Doch diese Freiheit gibt es in der Realität nicht. Wenn unsere Grenzen los sind, dann verlieren
wir auch ganz schnell den Blick für das gesamte Leben. Hinter diesen Verlockungen steckt niemand anders, als Satan persönlich, der uns mit all seiner
Kraft von Gott weglocken will. Schauen wir uns doch einmal um, liebe Gemeinde, Satan hat auch heute noch ein leichtes Spiel. Das schnelle Geld, die
turboschnelle Karriere oder andere krumme Wege erwarten uns an allen Ecken und Enden. Sagte die Schlange im alten Testament noch "Sollte Gott gesagt
haben...", so reagiert Satan heute viel subtiler, indem er uns zuflüstert: "Sei nicht blöd, das machen doch alle so...".

Warum fallen die Menschen aber darauf herein ? Ganz einfach, weil sie sich vom Vater und Seinen Regeln abgewandt haben. Ist erst einmal der erste
Schritt getan, dann geht es ganz schnell spiralförmig abwärts, wie es uns auch der heutige Predigttext zeigt.

2. Die Umkehr

Der Sohn aus unserem heutigen Gleichnis ist so tief gefallen, dass er sich sogar von Schweinefutter ernähren möchte, wenn er nur welches ab bekäme.
Dann auf einmal, als er ganz tief unten ist, kommt ihm sein Vater wieder in den Sinn. Er hat erkannt, dass er ganz tief unten angekommen ist und
überhaupt keine Chance mehr hat, sich aus dieser selbstverschuldeten Misere selber zu befreien. Ganz kleinlaut, aber ehrlichen Herzens tritt er den
Rückzug an.

Und was macht Gott ? Er rennt ihm auf seinem Wege auch noch entgegen und behandelt ihn so, als ob er niemals weg gewesen wäre. Alle Ehren, die er
einmal mit Füßen getreten hat, bekommt er mit einem Schlag zurück. Egal, was wir auch gemacht haben, egal wie tief wir uns auch in Sünden
verstrickt haben, es gibt immer einen Weg zurück zu Gott. Es gibt keine Sünde, die uns von unserem Herrn nicht verziehen wird. Es sind nur zwei
Voraussetzungen daran geknüpft:
1.Wir müssen die Sünden ehrlich bekennen und bereuen und
2.Wir müssen den ersten Schritt zur Umkehr tun. Genau in diesem Moment wird einem jeden Sünder unser Vater im Himmel entgegenlaufen, ihn in Seine
Arme schließen und ihn mit allen Ehren ausstatten, die er einmal gehabt hat.

Für uns Menschen ist dies in der Tat unvorstellbar. Bei Gott hingegen ist kein Ding unmöglich. Dies, liebe Gemeinde, dürfen wir allen Menschen immer
wieder sagen, die in Sünden verschiedenster Art verstrickt sind und keinen Ausweg mehr wissen. Sagen wir ihnen doch immer wieder, dass Gott nur ein
Gebet weit entfernt sehnsüchtig auf sie wartet.

3. Die Rückkehr

Die Rückkehr eines Sünders zu Gott und die Rückkehr in eine Gemeinde wäre ja ganz toll, wenn WIR da nicht wären. Wir, die wir doch schließlich seit
Jahren aufopferungsvoll unseren Dienst versehen. Sonntag für Sonntag gehen wir zum Gottesdienst, sind ehrenamtlich in der Gemeinde aktiv und helfen
überall da, wo wir gerade gebraucht werden. Und dann kommt da so ein ruchloses Subjekt, dass sich sein ganzes Leben lang mit ziemlich zwielichten
Gestalten herumgetrieben hat. Und was man sich nicht alles über den erzählt. Man mag es ja kaum in Worte fassen. Den wollen wir doch erst einmal auf
die Probe stellen, ob er es überhaupt ernst meint. Der muss doch erst einmal kleine Brötchen backen, bevor er ein vollwertiges Gemeindemitglied
werden kann.

Genau wie der ältere Sohn reagierte, genau so reagieren wir auch heute noch oder aber sind geneigt, derart zu reagieren. Genau an dieser Stelle muss
ich uns allen ein ganz lautes: STOPP !!!! zurufen. Wenn wir so reagieren, dann stellen wir uns in diesem Moment über unseren Herrn, quasi als letzte
Instanz in Angelegenheiten der Vergebung. Von diesem hohen Ross müssen wir aber ganz schnell wieder herunterkommen.

Wenn unser Herr einem Menschen seine Sünden vergeben hat, dann ist er eine neue Kreatur. Nichts, aber auch rein gar nichts erinnert mehr an den alten
Menschen. Wenn Gott die Vergebung ausgesprochen hat, dann dürfen wir nicht mehr in den alten Sünden herumwühlen.

           Corrie ten Boom drückte dies einmal passenderweise wie folgt aus: "Wenn Gott den    Menschen ihre Sünden vergibt, dann wirft er diese
Sünden in ein ganz tiefes Meer, vor welchem ein Schild steht mit der Aufschrift: Fischen verboten !!!"

Wenn Sie mich jetzt fragen, ob ich mich immer daran halte, dann sage ich offen und ehrlich: Das kann ich gar nicht. Ich kann dies nur mit Gottes
Hilfe. Nur wenn Er mich Tag für Tag stark macht, dann kann ich mich so verhalten. Und dann begehe ich immer noch den ein oder anderen Fehler.
Wie gut, dass Gottes Sündenvergebung nicht nur dem schlimmsten Sünder gilt, sondern vor allem auch mir, der ich in Gottes Augen keinen Deut besser
bin. Und daran, liebe Gemeinde, dürfen wir uns auch immer wieder erinnern, nämlich daran, dass auch wir Sünder sind, die ständig von der
Gnade unseres Herrn leben und die daher nicht das Recht besitzen, andere Menschen zu verurteilen, denen ebenfalls Gnade widerfahren ist.

Dass wir nur in gottgewollter Art und Weise reagieren können, wenn wir uns ganz fest an die Hand unseres Vaters im Himmel klammern, das wusste  auch
schon die Liederdichterin Julie Hausmann, als sie das Lied "So nimm denn meine Hände..." dichtete, dessen erster Vers wie folgt lautet:

So nimm denn meine Hände und führe mich
bis an mein selig Ende und ewiglich
Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt:
wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.

Die Kraft Gottes sei stets über Dir, damit sie Dich bewahre
Die Kraft des auferstandenen Jesus Christus sei stets neben Dir, damit Sie Dich stütze
Die Kraft des Heiligen Geistes sei stets in Dir, damit sie Dich begleite auf allen Deinen Wegen

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen fröhlichen Start in die neue Woche. Auch wenn man manchmal meinen könnte, alles um
uns herum würde zusammenbrechen, so dürfen wir doch immer wieder darauf vertrauen, dass unser Herr stärker ist, als alle Mächte dieser Welt. Lassen
Sie uns also alle ganz unbeirrt von äußeren Geschehnissen unseren Weg vertrauensvoll weitergehen.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

© U. Naber




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