Die Tempelreinigung
Jeder von uns kennt die Geschichte von der Tempelreinigung, in der Jesus sehr hemdsärmelig die Geschäftemacher aus dem Gotteshaus hinauswarf, weil es ein Bethaus sein soll und keine Räuberhöhle. Warum aber ist die Geschichte in die Bibel aufgenommen worden? Was hat sie uns denn heute zu sagen? Hat sie mehr als nur eine historische Bedeutung für uns?
Natürlich hat uns dieser Bericht sehr viel zu sagen; das erkennt man schon an der Tatsache, dass er in allen vier Evangelien zu finden ist. Er soll uns Mahnung sein und zugleich zeigen, warum wir in eine Kirche gehen.
Sicher: Kirchliche Aufgaben müssen finanziert werden; kein Gebäude erhält sich von selbst, und auch Priester und Kirchenbeschäftigte leben nicht nur von Luft und Liebe. Auch die sozialen Einrichtungen im kirchlichen Bereich kosten Geld: Krankenhäuser, Armenküchen, Kleiderkammern, Telefonseelsorge, Obdachlosenasyle, Sozialarbeit, Hilfen für Schwangere, Beratung.... Und das Geld kommt nicht nur von Kirchensteuern und Spenden allein. Dürfen wir aber den Glauben als solchen kommerzialisieren?
Ich selbst habe ein ungutes Gefühl, wenn ich US-amerikanische Fernsehprediger höre, die sehr viel über den Zehnten und über das Spenden zu sagen wissen, aber wenig von Sünde, Vergebung und Rettung durch Jesus Christus. Aber auch auf dem ERF sehe ich, wie bekannte Prediger ihre Bücher und Vorträge anpreisen, die oft nicht ganz billig sind.
Ich bin als Säugling in die katholische Kirche hineingetauft worden und kenne sie deshalb sehr gut: Auch hier gibt es für fast alles "Gebühren". Man muss für Taufen zahlen, für Hochzeiten und für das Abhalten der Totenmesse sowieso. Darüber hinaus wird erwartet, dass man ein Sechswochenamt und eine Jahresmesse - natürlich gegen Bares - bestellt. Das Aufstellen von Kerzen und das Bestellen von Totenmessen gegen Geld ist für praktizierende Katholiken Usus.
Gott jedoch ist nicht käuflich, Seine Gnade ist kostenlos, man kann sie nicht durch eine Werksgerechtigkeit verdienen wie es einst die Pharisäer und Schriftgelehrten meinten und wie es in der katholischen und in den orthodoxen Kirchen gelehrt wird. Nein, man bekommt sie geschenkt, und auf diese Tatsache hat einst Martin Luther völlig zu recht hingewiesen, als er den unseligen Ablasshandel als widerliche Geschäftemacherei anprangerte. Gottes Gnade lässt man sich entweder schenken oder man bekommt sie gar nicht!
Das aber ist eine gerechte und sehr barmherzige Sache: Selbst ein Lazarus, der förmlich in seinem Elend und im Schmutz der Strasse verhungerte, konnte - und kann! - so gerettet werden. Meine Rettung ist keine Frage des Geldes, des Ansehens, der guten Werke oder den Reichtümern, die ich anzubieten habe, sondern eine Frage, ob ich Jesus in mein Herz aufnehme und mir die Rettung durch ihn schenken lasse.
Ich bin überzeugt davon, dass Jesus auch heute vielfach eine Tempelreinigung durchführen würde. Sicher hat Er nichts dagegen, wenn man um Spenden bittet, wenn man zu ehrenamtlichen Tätigkeiten aufruft, wenn man Evangelisation und soziale Aufgaben durch Stiftungen und Eigenbetriebe finanziert. Es muss aber stets klar sein, dass das Wort Gottes, Seine Gnade, umsonst geschenkt wird. Darauf können wir vertrauen.
Ich selbst bin Hobbymissionar und selbst materiell nicht reich gesegnet, aber wenn Gott mir ins Herz legt, da oder dort zum Beispiel eine Briefkastenaktion zu machen, dann sorgt er dafür, dass ich das auch tun kann ohne in Not zu geraten. Auch Missionswerke sind oft darüber erstaunt, wie Dinge, die sie für unmöglich, weil unfinanzierbar, gehalten haben, möglich sind.
Vertrauen wir auf Jesus und reinigen wir unsere Tempel vor falsch verstandener Profitgier.
Bibellesetipp:
Matthäus, Kapitel 21: 12 -17:
"12 Und Jesus ging in den Tempel Gottes hinein und trieb hinaus alle, die im Tempel verkauften und kauften, und stieß die Tische der Wechsler um und die Stühle der Taubenverkäufer.
13. und er sprach zu ihnen: 'Es steht geschrieben: 'Mein Haus soll ein Bethaus heißen; ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht.'
14 Und es gingen zu ihm Blinde und Lahme im Tempel, und er heilte sie.
15. Als aber die Hohepriester und Schriftgelehrten die Wunder sahen, die er tat, und die Kinder, die im Tempel schrieen und sagten: 'Hosianna dem Sohn Davids!' entrüsteten sie sich
16. und sprachen zu ihm: 'Hörst du auch, was diese sagen?' Jesus sprach zu ihnen: 'Ja! Habt ihr nie gelesen: (Psalm 8:3) 'Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du Lob zugerichtet?'
17. Und er ließ sie und ging hinaus nach Bethanien und blieb über Nacht dort."
(vgl. Markus 11:15-18, Lukas 19:45-48, Johannes 2:13-25).
Mit den besten Segenswünschen
Euer
Markus Kenn