Die
Epredigt : Volles Vertrauen!
Liebe Gemeinde,
ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 3. Sonntag
nach Epiphanias. Unser heutiger alttestamentarischer Predigttext beschäftigt
sich mit einem zentralen Thema unseres christlichen Glaubens, nämlich dem
Gottvertrauen.
Den dazugehörigen Predigttext finden wir im 2. Buch der
Könige, Kapitel 5, die Verse 9-15 und 19a. Lassen Sie uns diesen Text zunächst
gemeinsam lesen:
So kam Naaman mit Rossen und Wagen und hielt vor der Tür
am Hause Elisas. Da sandte Elisa einen Boten zu ihm und ließ ihm sagen: Geh hin
und wasche dich siebenmal im Jordan, so wird dir dein Fleisch wieder heil und
du wirst rein werden. Da wurde Naaman zornig und zog weg und
sprach: Ich meinte, er selbst soll zu mir herauskommen
und hertreten und den Namen des Herrn, seines Gottes, anrufen und seine Hand
hin zum Heiligtum erheben und mich so von dem Aussatz befreien. Sind nicht die
Flüsse von Damaskus, Abana und Parpar, besser als alle Wasser in Israel, so
dass ich mich in ihnen waschen und rein werden könnte ? Und er wandte sich und
zog weg im Zorn. Da machten sich seine Diener an ihn heran, redeten mit ihm und
sprachen: Lieber Vater, wenn dir der Prophet etwas Großes geboten hätte,
hättest du es nicht getan ? Wieviel mehr, wenn er zu dir sagt: Wasche dich, so
wirst du rein ! Da stieg er ab und tauchte unter im Jordan siebenmal, wie der
Mann Gottes geboten hatte. Und sein Fleisch wurde wieder heil wie das Fleisch
eines jungen Knaben, und er wurde rein. Und er kehrte zurück zu dem Mann Gottes
mit allen seinen Leuten. und als er hinkam, trat er vor ihn und sprach: Siehe,
nun weiß ich, dass kein Gott ist in allen Landen, außer in Israel; so nimm nun
eine Segensgabe von deinem Knecht. Er sprach zu ihm: Zieh hin mit Frieden !
Liebe Gemeinde,
da musste also ein Mensch erst einmal dazu überredet
werden, dem Worte des Propheten zu vertrauen. Wie ist dies eigentlich bei uns
heute. Haben wir noch das Gottvertrauen, welches die Jünger Jesu hatten, dieses
unerschütterliche Vertrauen in das Eingreifen Gottes in diese Welt. Oder sind
wir auch so wie Naaman, fixiert auf unsere eigenen Lösungen ? Was gehört
eigentlich zum Gottvertrauen ? Lassen Sie uns darüber am heutigen Sonntag ein
wenig näher nachdenken.
1. Gott fragen
Gott vertrauen heißt, Ihm alles zuzutrauen, auch Ihm
zuzutrauen, dass Er weiß, was denn das Beste für uns ist. Nehmen wir einmal an,
Sie wollen ein Auto kaufen. In aller Regel lassen Sie sich doch von dem
Verkäufer beraten, was denn wohl das beste Auto für Ihre Zwecke ist. Wir gehen
einmal davon aus, dass es sich um einen wirklich seriösen Händler handelt.
Somit werden Sie den Worten des Händlers Vertrauen schenken.
Nichts anderes ist es mit dem Gottvertrauen. Fragen wir
doch Gott wieder einmal BEVOR wir etwas unternehmen, was denn Seine Meinung
dazu ist. Machen wir das überhaupt noch ? Ich glaube, viele Menschen machen
dies nicht mehr. Gerade bei so einer schwierigen Entscheidung, wie der
Partnerwahl gibt es doch kaum noch Menschen, die Gott fragen, ob es denn
tatsächlich der richtige Partner ist, den sie sich ausgesucht haben. Eine fast
50 %ige Scheidungsrate verdeutlicht uns sehr drastisch, dass Gott einfach nicht
mehr gefragt wird.
Allein schon der Umstand, dass ich Gott frage, impliziert
ja schon das Gottvertrauen. Wenn ich mir sicher wäre, dass auf der anderen
Seite niemand ist, der mir antwortet, brauche ich auch nicht zu fragen.
Ich denke, wir sollten uns alle wieder angewöhnen, Gott
in den großen, aber auch in den kleinen Dingen unseres Lebens immer wieder um
Seinen Rat zu bitten. Gott möchte stets das Beste für uns und unser Leben. Um
das Beste zu erfahren, müssen wir Ihn aber zuerst einmal mit in die
Entscheidungsfindung einbeziehen.

2. Gott zuhören
In vielen Fällen benutzen wir das Gebet ja dazu, um Gott
unsere Wünsche mitzuteilen, die Er dann auch gefälligst zu erfüllen hat. Kommt
dann etwas anderes heraus, sind wir beleidigt, wie uns das Naaman aus unserem
Predigttext so schön vormacht. Naaman wurde zornig und zog weg. Genau so
reagieren wir doch auch sehr häufig, wenn der Wunscherfüllungsautomat namens
Gott nicht so arbeitet, wie wir es ihm vorgeben. Das ist nun in der Tat kein
Gottvertrauen.
Gottvertrauen sieht gänzlich anders aus. Wer Gott
vertraut, der fragt Ihn um Seinen Rat und wartet auf die Antwort. Selbst wenn
die Antwort nicht sofort kommt. Derjenige, der sein Vertrauen auf den Schöpfer
des Himmels und der Erde setzt, der wartet ganz geduldig die Antwort unseres
Herrn ab.
Viele von uns haben sicherlich schon Antwort auf die
Fragen erhalten, die wir an Gott gestellt haben. Meistens sind es die leisen
und ruhigen Antworten, die Gott uns gibt. Daher sollten wir auch zur Ruhe
kommen vor Gott, wenn wir unsere Anliegen an Ihn heranbringen.
Wie wir es im Buch Samuel nachlesen können, so spricht
Gott mit dem Knaben Samuel, indem Er ihn aus dem Schlaf erweckt. Auf anraten
seines Lehrers machte Samuel schließlich dies: Er sagte zu Gott: "Rede Herr,
dein Knecht hört." Nachdem Samuel alles in ihm auf "Empfang"
gestellt hatte, konnte er die göttliche Botschaft auch wahrnehmen. Und genau so
sollen wir es auch machen.
Vor allen Dingen sollten wir uns darüber im klaren sein,
dass Gottes Zeitmaßstäbe ganz anders sind als die unsrigen. Wir leben ja in
einer immer hektischer werdenden Zeit. Vor 20 Jahren hat man einen Brief
erhalten. Bevor man diesen beantwortete, konnte man ihn ruhig 1-2 Tage zu Hause
ruhen lassen, um dann eine passende Antwort zu entwerfen. Wenn Sie heute nicht
innerhalb weniger Stunden auf eine eingegangene mail antworten, haben Sie in
aller Regel schon die Erinnerung in Ihrem Postfach. Wir sollten also alle im
Umgang mit Gott wieder einen Gang zurückschalten. Wenn wir dies nicht machen,
dann laufen wir nämlich Gefahr, dass wir Seine Antwort überhören.
3. Gott gehorsam sein
Gehorsam kommt ja bekanntermaßen von hören. Wir sollen
also folgsam das tun, was Gott uns mitteilt. Das zeichnet Gottvertrauen nämlich
schlussendlich aus. Dazu ist es ganz wichtig, dass wir unsere eigenen
Lösungsvorschläge über Bord werfen und nur das in die Tat umsetzen, was Gott
uns mitteilt.
Naaman hingegen hatte so seine eigenen Vorstellungen im
Kopf und war natürlich alles andere als erfreut, als er die Nachricht erhielt,
er solle sich siebenmal im Jordan waschen. Er wusste schließlich aus eigener
Erfahrung, dass es Gewässer gab, die sich dafür eher eigneten, als der Jordan.
Dabei war die Auflage an Naaman ja gar nicht besonders
schwer, nur sie passte nicht in sein Weltbild. Naaman liebte das pompöse, das
religiöse Ritual, kurzum, es musste feierlich zugehen.
Karl Barth hat es
einmal ungefähr so formuliert: "Das religiöse Ritual ist der Beginn vom
Ende des Gottvertrauens." Wichtig ist allein, dass wir auf unseren Herrn
hören und als Seine Diener Seine Worte befolgen. In dem Moment wo wir unser
Vertrauen nur noch in religiöse Rituale setzen, haben wir uns von dem
Gottvertrauen verabschiedet.
Wohlgemerkt, ich habe nichts gegen religiöse Rituale, nur
müssen sie den rechten Stellenwert einnehmen. Wir dürfen von Ritualen nichts,
von Gott hingegen aber alles erwarten. Religiöse Rituale haben schon ihren
Sinn. Denken wir nur einmal an die Liturgie im Gottesdienst. Diese dient unter
anderem dazu, dass wir ruhig werden vor Gott, ruhig, damit wir Sein Wort,
welches wir in der Predigt hören, aufnehmen und in unserem Leben umsetzen
können.
Gehorsamkeit ist auch nicht unbedingt mein Ding. Das muss
ich an dieser Stelle einfach mal zugeben. Ich bin richtig froh, wenn mich Gemeindemitglieder
darauf aufmerksam machen, dass etwas von mir nicht richtig war, was ich gesagt
oder aber getan habe. Solche Menschen hatte auch Naaman um sich. Seine Diener
überredeten ihn, er solle doch auf das Wort des Propheten vertrauen. Mit ihrer
ureigenen Logik überredeten sie Naaman doch noch das Richtige zu machen.
Wir können uns in unserem Leben immer mal wieder
verlaufen. Dann ist es sehr wichtig, dass wir Menschen um uns herum haben, die
dies erkennen und uns wieder auf den rechten Weg bringen. Solchen Menschen
können wir im Freundeskreis, in Hauskreisen, in Bibelstunden und auch in
Gottesdiensten begegnen.
Lassen wir uns doch wieder auf dieses uneingeschränkte
Gottvertrauen ein.
Dieses unbedingte Gottvertrauen und das Vertrauen auf
Seine Weisungen drückte der Liederdichter Jochen Klepper sehr schön in dem
ersten Vers seines Liedes "Er weckt mich alle Morgen..." aus, der da
lautet, wie folgt:
Er weckt mich alle Morgen,
er weckt mir selbst das Ohr.
Gott hält sich nicht verborgen,
führt mir den Tag empor,
dass ich mit seinem Worte,
begrüß das neue Licht.
Schon an der Dämmrung Pforte
ist er mir nah und spricht.
Der Herr erfülle Dein Herz mit Gottvertrauen, damit Du
nach SEINEM Ratschlag fragst Der Herr erfülle Dein Herz mit Gottvertrauen,
damit Du SEINE Antwort hören kannst Der Herr erfülle Dein Herz mit
Gottvertrauen, damit es in Freude SEINEM Wort gehorsam ist
Amen.
Liebe Gemeinde,
ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und
eine ganz tolle Woche, die geprägt sein möge von einem unerschütterlichen
Vertrauen in unseren Herrn.
Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr
Ulrich Naber
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