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Andacht vom 22.Januar 2012.

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Die Epredigt  : Volles Vertrauen!


Liebe Gemeinde,

 

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 3. Sonntag nach Epiphanias. Unser heutiger alttestamentarischer Predigttext beschäftigt sich mit einem zentralen Thema unseres christlichen Glaubens, nämlich dem Gottvertrauen.

 

Den dazugehörigen Predigttext finden wir im 2. Buch der Könige, Kapitel 5, die Verse 9-15 und 19a. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

 

So kam Naaman mit Rossen und Wagen und hielt vor der Tür am Hause Elisas. Da sandte Elisa einen Boten zu ihm und ließ ihm sagen: Geh hin und wasche dich siebenmal im Jordan, so wird dir dein Fleisch wieder heil und du wirst rein werden. Da wurde Naaman zornig und zog weg und

sprach: Ich meinte, er selbst soll zu mir herauskommen und hertreten und den Namen des Herrn, seines Gottes, anrufen und seine Hand hin zum Heiligtum erheben und mich so von dem Aussatz befreien. Sind nicht die Flüsse von Damaskus, Abana und Parpar, besser als alle Wasser in Israel, so dass ich mich in ihnen waschen und rein werden könnte ? Und er wandte sich und zog weg im Zorn. Da machten sich seine Diener an ihn heran, redeten mit ihm und sprachen: Lieber Vater, wenn dir der Prophet etwas Großes geboten hätte, hättest du es nicht getan ? Wieviel mehr, wenn er zu dir sagt: Wasche dich, so wirst du rein ! Da stieg er ab und tauchte unter im Jordan siebenmal, wie der Mann Gottes geboten hatte. Und sein Fleisch wurde wieder heil wie das Fleisch eines jungen Knaben, und er wurde rein. Und er kehrte zurück zu dem Mann Gottes mit allen seinen Leuten. und als er hinkam, trat er vor ihn und sprach: Siehe, nun weiß ich, dass kein Gott ist in allen Landen, außer in Israel; so nimm nun eine Segensgabe von deinem Knecht. Er sprach zu ihm: Zieh hin mit Frieden !

 

Liebe Gemeinde,

 

da musste also ein Mensch erst einmal dazu überredet werden, dem Worte des Propheten zu vertrauen. Wie ist dies eigentlich bei uns heute. Haben wir noch das Gottvertrauen, welches die Jünger Jesu hatten, dieses unerschütterliche Vertrauen in das Eingreifen Gottes in diese Welt. Oder sind wir auch so wie Naaman, fixiert auf unsere eigenen Lösungen ? Was gehört eigentlich zum Gottvertrauen ? Lassen Sie uns darüber am heutigen Sonntag ein wenig näher nachdenken.

 

1. Gott fragen

 

Gott vertrauen heißt, Ihm alles zuzutrauen, auch Ihm zuzutrauen, dass Er weiß, was denn das Beste für uns ist. Nehmen wir einmal an, Sie wollen ein Auto kaufen. In aller Regel lassen Sie sich doch von dem Verkäufer beraten, was denn wohl das beste Auto für Ihre Zwecke ist. Wir gehen einmal davon aus, dass es sich um einen wirklich seriösen Händler handelt. Somit werden Sie den Worten des Händlers Vertrauen schenken.

 

Nichts anderes ist es mit dem Gottvertrauen. Fragen wir doch Gott wieder einmal BEVOR wir etwas unternehmen, was denn Seine Meinung dazu ist. Machen wir das überhaupt noch ? Ich glaube, viele Menschen machen dies nicht mehr. Gerade bei so einer schwierigen Entscheidung, wie der Partnerwahl gibt es doch kaum noch Menschen, die Gott fragen, ob es denn tatsächlich der richtige Partner ist, den sie sich ausgesucht haben. Eine fast 50 %ige Scheidungsrate verdeutlicht uns sehr drastisch, dass Gott einfach nicht mehr gefragt wird.

 

Allein schon der Umstand, dass ich Gott frage, impliziert ja schon das Gottvertrauen. Wenn ich mir sicher wäre, dass auf der anderen Seite niemand ist, der mir antwortet, brauche ich auch nicht zu fragen.

 

Ich denke, wir sollten uns alle wieder angewöhnen, Gott in den großen, aber auch in den kleinen Dingen unseres Lebens immer wieder um Seinen Rat zu bitten. Gott möchte stets das Beste für uns und unser Leben. Um das Beste zu erfahren, müssen wir Ihn aber zuerst einmal mit in die Entscheidungsfindung einbeziehen.

2. Gott zuhören

 

In vielen Fällen benutzen wir das Gebet ja dazu, um Gott unsere Wünsche mitzuteilen, die Er dann auch gefälligst zu erfüllen hat. Kommt dann etwas anderes heraus, sind wir beleidigt, wie uns das Naaman aus unserem Predigttext so schön vormacht. Naaman wurde zornig und zog weg. Genau so reagieren wir doch auch sehr häufig, wenn der Wunscherfüllungsautomat namens Gott nicht so arbeitet, wie wir es ihm vorgeben. Das ist nun in der Tat kein Gottvertrauen.

 

Gottvertrauen sieht gänzlich anders aus. Wer Gott vertraut, der fragt Ihn um Seinen Rat und wartet auf die Antwort. Selbst wenn die Antwort nicht sofort kommt. Derjenige, der sein Vertrauen auf den Schöpfer des Himmels und der Erde setzt, der wartet ganz geduldig die Antwort unseres Herrn ab.

Viele von uns haben sicherlich schon Antwort auf die Fragen erhalten, die wir an Gott gestellt haben. Meistens sind es die leisen und ruhigen Antworten, die Gott uns gibt. Daher sollten wir auch zur Ruhe kommen vor Gott, wenn wir unsere Anliegen an Ihn heranbringen.

 

Wie wir es im Buch Samuel nachlesen können, so spricht Gott mit dem Knaben Samuel, indem Er ihn aus dem Schlaf erweckt. Auf anraten seines Lehrers machte Samuel schließlich dies: Er sagte zu Gott: "Rede Herr, dein Knecht hört." Nachdem Samuel alles in ihm auf "Empfang" gestellt hatte, konnte er die göttliche Botschaft auch wahrnehmen. Und genau so sollen wir es auch machen.

 

Vor allen Dingen sollten wir uns darüber im klaren sein, dass Gottes Zeitmaßstäbe ganz anders sind als die unsrigen. Wir leben ja in einer immer hektischer werdenden Zeit. Vor 20 Jahren hat man einen Brief erhalten. Bevor man diesen beantwortete, konnte man ihn ruhig 1-2 Tage zu Hause ruhen lassen, um dann eine passende Antwort zu entwerfen. Wenn Sie heute nicht innerhalb weniger Stunden auf eine eingegangene mail antworten, haben Sie in aller Regel schon die Erinnerung in Ihrem Postfach. Wir sollten also alle im Umgang mit Gott wieder einen Gang zurückschalten. Wenn wir dies nicht machen, dann laufen wir nämlich Gefahr, dass wir Seine Antwort überhören.

 

3. Gott gehorsam sein

 

Gehorsam kommt ja bekanntermaßen von hören. Wir sollen also folgsam das tun, was Gott uns mitteilt. Das zeichnet Gottvertrauen nämlich schlussendlich aus. Dazu ist es ganz wichtig, dass wir unsere eigenen Lösungsvorschläge über Bord werfen und nur das in die Tat umsetzen, was Gott uns mitteilt.

Naaman hingegen hatte so seine eigenen Vorstellungen im Kopf und war natürlich alles andere als erfreut, als er die Nachricht erhielt, er solle sich siebenmal im Jordan waschen. Er wusste schließlich aus eigener Erfahrung, dass es Gewässer gab, die sich dafür eher eigneten, als der Jordan.

 

Dabei war die Auflage an Naaman ja gar nicht besonders schwer, nur sie passte nicht in sein Weltbild. Naaman liebte das pompöse, das religiöse Ritual, kurzum, es musste feierlich zugehen.

 

 Karl Barth hat es einmal ungefähr so formuliert: "Das religiöse Ritual ist der Beginn vom Ende des Gottvertrauens." Wichtig ist allein, dass wir auf unseren Herrn hören und als Seine Diener Seine Worte befolgen. In dem Moment wo wir unser Vertrauen nur noch in religiöse Rituale setzen, haben wir uns von dem Gottvertrauen verabschiedet.

 

Wohlgemerkt, ich habe nichts gegen religiöse Rituale, nur müssen sie den rechten Stellenwert einnehmen. Wir dürfen von Ritualen nichts, von Gott hingegen aber alles erwarten. Religiöse Rituale haben schon ihren Sinn. Denken wir nur einmal an die Liturgie im Gottesdienst. Diese dient unter anderem dazu, dass wir ruhig werden vor Gott, ruhig, damit wir Sein Wort, welches wir in der Predigt hören, aufnehmen und in unserem Leben umsetzen können.

 

Gehorsamkeit ist auch nicht unbedingt mein Ding. Das muss ich an dieser Stelle einfach mal zugeben. Ich bin richtig froh, wenn mich Gemeindemitglieder darauf aufmerksam machen, dass etwas von mir nicht richtig war, was ich gesagt oder aber getan habe. Solche Menschen hatte auch Naaman um sich. Seine Diener überredeten ihn, er solle doch auf das Wort des Propheten vertrauen. Mit ihrer ureigenen Logik überredeten sie Naaman doch noch das Richtige zu machen.

 

Wir können uns in unserem Leben immer mal wieder verlaufen. Dann ist es sehr wichtig, dass wir Menschen um uns herum haben, die dies erkennen und uns wieder auf den rechten Weg bringen. Solchen Menschen können wir im Freundeskreis, in Hauskreisen, in Bibelstunden und auch in Gottesdiensten begegnen.

 

Lassen wir uns doch wieder auf dieses uneingeschränkte Gottvertrauen ein.

 

Dieses unbedingte Gottvertrauen und das Vertrauen auf Seine Weisungen drückte der Liederdichter Jochen Klepper sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes "Er weckt mich alle Morgen..." aus, der da lautet, wie folgt:

 

Er weckt mich alle Morgen,

er weckt mir selbst das Ohr.

Gott hält sich nicht verborgen,

führt mir den Tag empor,

dass ich mit seinem Worte,

begrüß das neue Licht.

Schon an der Dämmrung Pforte

ist er mir nah und spricht.

 

Der Herr erfülle Dein Herz mit Gottvertrauen, damit Du nach SEINEM Ratschlag fragst Der Herr erfülle Dein Herz mit Gottvertrauen, damit Du SEINE Antwort hören kannst Der Herr erfülle Dein Herz mit Gottvertrauen, damit es in Freude SEINEM Wort gehorsam ist

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und eine ganz tolle Woche, die geprägt sein möge von einem unerschütterlichen Vertrauen in unseren Herrn.

Es grüßt Sie alle recht herzlich

Ihr

Ulrich Naber

 


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