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Andacht vom 22. Februar 2008.

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Bin ich der Hüter meines Bruders?




Diese Frage stellte schon Kain, nachdem er seinen Bruder Abel erschlagen hatte; damit wollte er sich vor seiner Schuld verstecken und vor seinerVerantwortung fliehen. Diese Frage aber ist nicht nur historisch zu verstehen, diese Frage Kains geht uns alle an, auch wenn wir niemanden verletzt oder gar getötet haben. Sind wir nicht auch die Wächter unserer Brüder und Schwestern?

Dabei geht es nicht nur um unsere Familienbande, denen wir auch und vor allem verpflichtet sind; Jesus selbst sagt, dass wir Seine Brüder und Schwestern - also Seine direkten Blutsverwandten.

Der barmherzige Samariter aus dem Gleichnis hat es uns vor gemacht: Er half dem Verletzten auf der Strasse, den er nicht kannte, obwohl er fürchten musste, dass die Räuber noch ganz nahe waren; er investierte in einen Fremden ohne Aussicht, das Geld jemals wieder zu sehen, und er verbürgte sich für einen Unbekannten, weil dieser seine Hilfe brauchte.

Auch wir sind die Wächter unserer Brüder, und es ist längst nicht so gefährlich und so spektakulär wie in diesem Beispiel. Viele sagen zwar: "Was geht mich mein Nachbar an?", doch ist dies nicht Angst, Egoismus, Bequemlichkeit? Auf jeden Fall ist es verantwortungslos.

Auch wir sind die Wächter unserer Brüder und Schwestern: Das ist die alte Frau, der wir im Bus einen Platz anbieten, der Rollstuhlfahrer, dem wir in den Zug helfen, das weinende Kind, das unseren Trost braucht, der einsame alte Mann oder die einsame alte Frau, die mit uns imselben Hochhaus - oft sogar auf derselben Etage - wohnt. Wir müssen nur die Augen aufmachen.

Wächter unserer Brüder und Schwestern zu sein: Das können wir auch mit unserem Zehnten, mit der Zeit, die wir einem anderen schenken, ja, sogar dadurch, dass wir uns in unserer Kirchengemeinde dort engagieren, wo wir gebraucht werden. Wir können Wächter unserer Brüder und Schwestern sein sogar mit einer Blutspende oder mit einem Eintrag in die Knochenmarkspenderdatei. Wir können Wächter sein mit unseren Worten, den Worten der Mahnung, aber auch denen des Trostes oder Rates.

Wächter sein: Das setzt voraus, dass wir unsere Angst, unseren Egoismus, unsere Bequemlichkeit überwinden und Verantwortung übernehmen, für uns und für andere. Am Ende aber gewinnen wir dadurch selbst.

Vergessen wir nicht, wenn wir nach dem Staat, der Kirche, der Gesellschaft rufen: Das sind letztendlich immer auch wir selbst an dem Ort, an dem wir sind.

Bibellesetipps:

"Der Herr fragte Kain: 'Wo ist dein Bruder Abel?'
'Was weiss ich?' antwortete Kain. 'Bin ich vielleicht der Hüter meines Bruders?'

(1. Mose 4:9)

"Du Mensch, ich bestelle dich zum Wächter, der die Leute von Israel vor drohender Gefahr zu warnen hat. Wenn du eine Botschaft von mir vernimmst, musst du sie ihnen weitersagen, damit sie wissen, was auf sie zukommt. Wenn ich dir ankündige, dass ein bestimmter Mensch wegen seiner schlimmen Taten sterben muss, dann bist du dafür verantwortlich, dass er es erfährt und die Gelegenheit bekommt, sich zu bessern und sein Leben zu retten. Warnst du ihn nicht, so wird er zwar sterben, wie er es verdient,; aber dich ziehe ich dafür zur Rechenschaft wie für einen Mord.Warnst du ihn und er hört nicht darauf, so wird er ebenfalls sterben, aber du hast dein eigenes Leben gerettet."
(Hesekiel 3:17-19)


Mit den besten Segenswünschen
Euer
Markus Kenn




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