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Männer
weinen nicht
Als Kind hatte man zu ihm gesagt: „Der Indianer kennt keinen Schmerz!“
Er hatte auch nie seinen Vater weinen sehen. „Männer weinen nicht!“ Das
hatte sich tief in seine Seele eingegraben. Aber nun muß er weinen. Er will
nicht. Er weint und weint. Wenn er allein ist, kann er nicht aufhören.
Niemand soll es sehen, denn Männer weinen nicht. Das ist Schwäche. Ein Mann
muß doch stark sein. Wirklich? Frauen dürfen weinen, weil sie eben Frauen
sind.
Wissenschaftler haben festgestellt, dass mit den Tränen
aufgestaute Streßstoffe ausgeschwemmt werden und weinen deshalb Linderung
bringt. Weinen ist ein Ventil. Weinen tut gut.
Ein amerikanisches
Sprichwort sagt: „Männer sind stark, aber zerbrechlich. Frauen sind weich,
aber zäh!“
Nun ist er zerbrochen und er weint. Aber ein Mann sollte ja
nicht weinen. Schauen wir in die Bibel. Auch Jesus hat geweint. Er weinte
nicht über seine Sünde, seinen Zerbruch, sondern er weinte aus einem anderen
Grund. Er hatte Angst. „Er hat in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten
und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht, der ihm vom
Tod erretten konnte; und er ist auch erhört worden, weil er Gott in Ehren
hielt“ (Hebräer 5,7).
Weil er unser aller Vorbild ist, dürfen auch
Männer weinen. Sie brauchen sich ihrer Tränen nicht zu schämen, denn Jesus
hat das auch nicht getan. Er weinte auch über die Stadt Jerusalem. Er weinte
über die Menschen, die seine Rettung nicht annehmen wollten (Lukas 19,41).
Keine Träne ist umsonst geweint, denn Gott sammelt sie in seinen Krug
(Psalm 56,9). Eine alte Legende erzählt, dass aus Tränen in der Ewigkeit
Perlen werden. Ob das so ist, wissen wir nicht. Aber Gott selbst will trösten
und die Tränen abwischen. Das hat er versprochen. Bis es soweit ist, dürfen
Männer und Frauen weinen.
„Gott wird abwischen alle Tränen von ihren
Augen und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei, noch Schmerz
wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen“. Offenbarung 21,4©
Cornelia Hott
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