|
|
| |
Gnade vor Recht!
Wohl alle kennen wir die berühmte Begebenheit, als Jesus bei der Hochzeit zu Kana Wasser in Wein verwandelte (Johannes 2). Als ich das kürzlich wieder las, sind mir ein paar Dinge aufgefallen, die mir sonst immer entgangen sind. Zum einen hatte ich, was Hochzeit angeht mehr so unsere westeuropäischen Vorstellungen, also dass so was eben an einem Tag geschieht. Bei den Juden damals wurde eine Hochzeit aber gleich ein paar Wochen gefeiert. Wenn da der Wein ausging, war das schon eine mittlere Katastrophe. Bei unseren Hochzeiten, wenn gegen Abend langsam die Getränke knapp werden, hätte man eben schnell mal jemanden in den Getränkemarkt oder die Tanke geschickt, um Nachschub zu besorgen. Das war damals nicht drin. Es wäre oberpeinlich für das Brautpaar gewesen, wenn der Wein mitten in den Feierlichkeiten ausgegangen wäre. Aber Gott sei Dank war ja auch Jesus bei der Feier! Dass er dann Wasser in Wein gefüllt hat, zeigt uns doch vieles über Gott.
Denn viele Menschen denken ja von Gott, er hätte dort erstmal eine knackige Bußpredigt halten müssen. Das hätte er durchaus tun können. Hinzu kommt folgendes:
„Es waren aber sechs steinerne Wasserkrüge dort aufgestellt nach der Reinigungssitte der Juden, wovon jeder zwei oder drei Maß fasste. Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan.“ (Joh. 2, 6-7)
Oh Weia! Die Krüge waren leer! Eigentlich hätte Wasser drin sein müssen, um die strengen Reinigungssitten aus den Büchern Mose zu erfüllen. Aber die sind wohl bei den Feierlichkeiten etwas untergegangen. Und jetzt steht Gottes Sohn noch direkt daneben. Das hätte doch eigentlich Ärger geben müssen. Außerdem ging es ja immerhin darum, Wasser in Alkohol zu verwandeln. Dass da niemand nur ein kleines Becherchen trinken würde, war auch Jesus klar. Und die „zwei oder drei Maß“ waren umgerechnet immerhin mehrere Hundert Liter Wein, um die es hier ging. Und Jesus lässt sich nicht lumpen, er verwandelt diese große Menge an Wasser in einen edlen und guten Tropfen.
Warum lässt Jesus hier nicht Strenge walten? Er hätte doch allen Grund gehabt.
Weil Gott eben kein Spielverderber ist. Wir haben einen Gott, der uns Menschen eine Freude bereiten möchte. So wie wir im Himmel an der Tafel Gottes trinken und speisen werden, so dürfen wir das auch hier schon. Natürlich wird auch hier klar, es gab einen Anlass: eine Hochzeitsfeier. Das bedeutet, dass das kein Freifahrtschein für regelmäßige Trinkgelage ist. Aber ein Prinzip wird doch deutlich: Gnade vor Recht. Das ist typisch Gott. Er hätte allen Grund, jeden von uns streng zu verurteilen. Es spricht alles gegen uns. Doch der Sohn Gottes ist genau dafür gekommen, dass dieser Schuldschein dem erlassen ist, der Jesus vertraut.
Eckart Haase
|
|